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An der Wiesent in der Fränkischen Schweiz

Eine nachdenkliche Betrachtung zum Fliegenfischen

Seit langer Zeit war es meine Absicht, einmal den legendären Salmonidenfluss Wiesent in seiner malerischen Juralandschaft in der Frankischen Schweiz mit der Fliege zu befischen.
Aus Medienberichten und den Werbeaussagen örtlicher Touristenbüros hörte und las ich immer wieder, dass der Karstfluss Wiesent aufgrund der hohen Biomasse und der hervorragenden Lebensbedingungen seiner Bewohner eine hohe Bestandsdichte an Forellen und Äschen aufweisen soll.

Um mir selbst einen Eindruck von den fischereilichen Möglichkeiten an diesem Fluss zu machen, entschloss ich mich, auf der Rückfahrt mit dem Wohnmobil von unserem Kroatienurlaub Anfang Oktober 2011 einen Abstecher ins Tal der Wiesent nach Waischenfeld zu unternehmen, um dort einige Tage mit der Fliege auf Äschen zu fischen (Bachforellenschonzeit in Bayern ab 1.10.).

Bewusst war mir, dass die Gelegenheiten zur Fischerei an der Wiesent für mich als Campinggast eingeschränkt sind, da sich die Fischereirechte an der Wiesent fast durchweg in Privatbesitz befinden und in relativ kleine Pachtabschnitte unterteilt sind.
Oft werden nur Angelscheine an Hausgäste bestimmter ansässiger Hotels und Pensionen ausgegeben.
Urlauber, die mit dem Caravan oder Wohnmobil anreisen, können meistens nur Karten für die sog. „Stadtstrecke“ in Waischenfeld und für die Strecke des Gasthofes „Pulvermühle“ erhalten.

Trotzdem war die Vorfreude groß und in guter Hoffnung kamen wir am Sonntag, dem 2. Oktober 2011 bei wunderschönem Wetter in Waischenfeld an und sahen auch mehrere Fliegenfischer an den Ufern der Wiesent stehen.

Überall im Tal der Wiesent herrschte starker Ausflugsverkehr. Alle Rastplätze, Wanderwege und Gartenlokale waren übervoll mit Menschen und die Hauptstrasse, die durchs Wiesenttal führt, ähnelte einer ungemein lauten „Rennstrecke“ für Motorradfahrer.
Darüber hinaus war die Wiesent, wohl bedingt durch einen ansässigen Kajakvermieter, ab der Pulvermühle mit Booten stark befahren.

Einen derartigen Trubel und solche Unruhe hatte ich eigentlich in diesem malerischen Tal nicht erwartet!
„Keine idealen Voraussetzungen für ein erfolgreiches und entspanntes Fliegenfischen“ dachte ich mir.

Für den nächsten Tag wollte ich trotzdem einen Tagesschein zum Fischen für die „Stadtstrecke“ erwerben. Also auf zur Ausgabestelle bei der Fliegenfischerschule von Manfred Hermann in der Pension „Hammermühle“. Dort befand sich in einem Fenster ein Schild auf dem stand, dass bereits das Tagesschein-Kontingent für das Jahr 2011 erschöpft sei und keine Erlaubnisscheine mehr ausgegeben würden.
Auf dem Hof der „Hammermühle“ traf ich den Inhaber der Pension. Meine höfliche Bitte um Ausstellung eines Tagesscheines für seine eigene Strecke wurde unfreundlich und barsch ohne Begründung abgewiesen.

Ein netter Fliegenfischer, den ich bei einem Spaziergang entlang des Flusses traf, erzählte mir, dass man auch Tagesscheine bei Frau Wehrl in der „Kunstmühle“ in Waischenfeld für ihre ca. 3 km lange Gewässerstrecke erhalten kann.

Zunächst wollte ich aber in an der Pachtstrecke der „Pulvermühle“ fischen, die bei der „Schottersmühle“ beginnt und nach ca. 3 km kurz vor der „Behringersmühle“ endet.
In den Gasthof der „Pulvermühle“ kehrten meine Frau und ich am Abend ein und wurden hervorragend bewirtet. Vor allem das „Frankische Schäufele“ (süddeutsche Bezeichnung für Schweineschulter) mundete vorzüglich..
Beim Wirt Herr Bezold erhielt ich problemlos für den nächsten Tag einen Tagesschein für 20,00 €.

Früh am nächsten Morgen ging es an die Wiesent; zunächst zur „Schottersmühle“. Der erste Wurf brachte bereits eine kleine Bachforelle. „Das fängt ja gut an“ dachte ich.

Leider bestätigte sich meine anfängliche Euphorie nicht, denn außer zwei weiteren kleinen Bachforellen interessierten sich im Laufe des Tages keine Fische mehr für meine Fliegen. Überdies waren keine steigenden Fische auszumachen oder im Wasser zu beobachten.

Drei andere Fliegenfischer, die ich unterwegs am Ufer traf, konnten ebenfalls keine nennenswerten Fangerfolge aufweisen.
„Vielleicht liegt es an dem sonnigen Wetter, dass die Fische nicht sonderlich aktiv sind“, dachte ich zunächst.
Aber als ich am Nachmittag in einer Fischerpause die Wiesentstrecke mit dem Fahrrad von Waischenfeld bis hinauf zur Behringersmühle abfuhr und ich mindestens 15 aktive Fliegenfischer am Wasser sah, wurde ich den Gedanken an eine Überfischung des Gewässers nicht mehr los.

Am nächsten Werktag hatte ich die Hoffnung, etwas weniger „Betrieb“ an der Wiesent vorzufinden und für die „Wehrlsche Strecke“ oberhalb der Kunstmühle eine Tageskarte zu erhalten.
Mein Besuch in der Wehrlschen Kunstmühle verlief jedoch enttäuschend. Auf mein Ersuchen nach einem Tagesschein wurde ich von einer älteren Dame gefragt, wo ich denn wohne (nanu?). Als ich „Campingplatz in Waischenfeld“ erwiderte, erhielt ich die schroffe Antwort: „Nein, ich habe keinen Tagesschein!“ und wurde abgewiesen.

Etwas verwundert und enttäuscht über die vorherrschenden Verhältnisse und die teils nicht sehr freundlichen Gewässerinhaber brachen wir unseren Kurzurlaub ab und traten die Heimreise an.

Zu Hause erfuhr ich von einem netten Bekannten, der die Wiesent mit seinem Sohn sehr viele Jahre zum Fischen besucht hat, dass für die rückläufigen Fangerfolge neben der Überfischung die zunehmende Verschlammung des Grundes und die Eutrophierung des Wassers durch das Einschwämmen von Dünger aus der Landwirtschaft verantwortlich sei.
Da inzwischen Maßnahmen zur Entschlammung sowie zur Verbesserung der Durchgängigkeit des Flusses begonnen wurden, dürfte künftig sicher in dieser Hinsicht eine Verbesserung eintreten.

Mein subjektiv gewonnener Eindruck vom Ausflug nach Waischenfeld ist, dass der Fluss in fischereilicher Hinsicht enorm vermarktet wird und einige ansässige Leute hiermit starke kommerzielle Interessen verfolgen.
Die Wiesent ist sicher ein hübscher und interessanter Fluss, aber als hoch gepriesenes Topp-Fliegenfischergewässer derzeit deutlich überbewertet.

Das wollen natürlich manche Gewässerpächter oder Eigentümer und Pensionen und Hotels mit eigenem Fischwasser wohl aus verständlichen Gründen nicht bemerken und setzen sich weiterhin aufs hohe Ross, ignorieren oft die gewässerspezifischen Belange im Hinblick auf eine ökologische nachhaltige Bewirtschaftung und versuchen durch das Einbringen von fangfähigen Besatzfischen das „Image“ und die anglerische Anziehungskraft der Wiesent für die Besucher hoch zu halten.
Das kann auf Dauer weder in ökonomischer noch in ökologischer Hinsicht gut gehen!

Ein vernünftiges, den Gegebenheiten des Flusses angepassten, übergreifendes und behördlich kontrolliertes fischereibiologisches Gewässermanagement zur Förderung der Attraktivität und Qualität der Fliegenfischerei und des Tourismus wäre sicherlich langfristig die bessere Alternative.

Der Dumme ist der Gast, der noch bereit ist, für die Fliegenfischerei auf Besatzforellen, Unterkunft und Verpflegung im Wiesenttal eine Menge Geld zu zahlen.

Wie lange noch ?

Für uns ist es jedenfalls nicht sehr wahrscheinlich, dass wir unter den derzeitigen Verhältnissen noch einmal die Wiesent zum Fliegenfischen in Waischenfeld besuchen.