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Barbenfischen an der Lenne

Mein „Hausgewässer“ die Lenne im Märkischen Sauerland hat neben einem schönen Forellen- und Äschenbestand auch viele kampfstarke Barben aufzuweisen.

Immer wenn ich mit meiner Fliegenrute an und in der Lenne unterwegs bin, achte ich stets darauf, ob nicht eine Schule Barben auszumachen ist, die mit einer tief angebotenen Nymphe angefischt werden kann.
Stellt für mich doch der Fang einer starken Barbe immer ein aufregendes Erlebnis dar. Mit ihrem stromlinienförmigen Körper, den großen Flossen und ihrer enormen Ausdauer, liefern diese kampfstarken Fische aus der Familie der Cypriniden einen beispiellosen Drill am relativ leichten Gerät.

Fred mit schöner Barbe

Mein Freund Fred sagte einmal „Fliegenfischen auf Barben ist das Lachsfischen des kleinen Mannes“ und hat damit nicht ganz Unrecht, denn ein Barbendrill an einer 6er Fliegenrute ist absolut mit dem Fang eines Lachses an schwererem Gerät zu vergleichen.

Meistens verraten sich unsere Bartelträger durch das Blitzen ihrer goldenen Flanken bei der Nahrungsaufnahme, wenn sie mit ihrem unterständigen Maul den Flussgrund nach fressbaren Wassertierchen absuchen.

Bei der Auswahl ihrer Nahrung sind die Barben der Lenne nicht sonderlich wählerisch; fressen sie doch von Würmern, Insektenlarven, Flohkrebsen, Muscheln, Schnecken und Fischlaich so ziemlich alles, was sie finden können. Selbst kleine Fischchen, die unvorsichtigerweise in ihre Nähe kommen, werden erbeutet. Das erklärt auch, dass ich mehrmals Barben beim Fischen mit einem Streamer an der Sinkschnur fangen konnte.

Lennebarbe von 69 cm Länge nahm einen Streamer

Lennebarbe von 69 cm Länge nahm einen Streamer

Bachflohkrebs

Der Speisezettel der Barben macht mir daher die Wahl der richtigen Fliege ziemlich leicht: Goldkopfnymphe, Hydropsyche, Bachflohkrebs und ähnliche Modelle verfehlen ihre Wirkung auf die Fische nicht. Grundsätzlich verwende ich beschwerte Nymphen, die einfach und schnell zu binden sind. So schmerzt beim Abriss einer Nymphe bei Hängern am Gewässerboden der Verlust nicht so sehr.

Beim Waten bewege ich mich vorsichtig und unauffällig, denn eine unbedarfte Bewegung oder ein falscher Schritt kann unsere scheuen Grundbewohner schnell vergrämen. Der ganze Schwarm lässt sich dann flussabwärts treiben und ist erstmal nicht „anzusprechen“.

Hauptsächlich entdecke ich bei meinen Pirschgängen Barbus Barbus in schnellen, tieferen und gleichmäßig strömenden Rinnen mit kiesigem, felsigem oder mit großen Steinen versehenem Grund.

Ich habe aber auch schon eindrucksvolle Barbenschulen in ruhigen und tiefen Kehrwässern, oft in Gesellschaft mit großen Döbeln, ausmachen können. Gelegentlich verrät sich eine Barbe durch „Buckeln“ an der Wasseroberfläche oder sogar durch einen Sprung aus dem Wasser.

Wenn ich eine Stelle mit aktiven Barben entdeckt habe, heißt es zunächst einmal zu beobachten, die Wassertiefe, Driftbahn und Strömungsstärke abzuschätzen und dann die Vorfachlänge und die geeignete Nymphe für den Service zu wählen.

Da die Barbe ein Grundfisch ist, der Nährtiere überwiegend am Gewässergrund erbeutet, muss ich meine Nymphe mit der entsprechenden Fischereitechnik in Maulnähe des Fisches bringen. Hierzu verwende ich ein langes Vorfach mit Bissanzeiger und eine vom Gewicht angepasste Nymphe.
Detaillierte Ausführungen hierzu mit dem Titel „Vorfachlänge beim Nymphenfischen“ finden Sie im Webseiten-Menü unter „Nützliches“.

Mit einem schräg flussaufwärts gerichteten Wurf oberhalb der Barbenschule präsentiere ich meine Nymphe genau in die Driftbahn, in der die ausgemachten Fische stehen, so dass die Nymphe direkt von vorne auf die Fische zutreiben kann.
Unmittelbar nach dem Service lege ich die Fliegenschnur in Richtung des anderen Ufers um und wiederhole diesen Vorgang noch einmal (Line-mendings). Damit erreiche ich, dass meine Nymphe lange in einer natürlichen Drift verbleibt (Dead-Drift-Nymph-Technique).

Das Werfen mit schwerer Fliege, Bissanzeiger und langem Vorfach ist nicht sehr elegant. Daher wähle ich oft für eine erneute Präsentation der Montage einen einfach auszuführenden „Wasserzug“. Die gleichzeitige Anwendung eines Tuck-Cast oder Fallschirmwurfes bringt meine Nymphe schneller auf Tiefe.

Nun gilt es während der Abdriftphase konzentriert den Bissanzeiger zu beobachten und beim kleinsten Anzeichen eines Bisses unverzüglich einen Anhieb zu setzten.
Sollte eine Barbe gehakt sein, kann ich mich auf einen spannenden Drill freuen. Bei Anbissen von Barben habe ich oft kurz den Eindruck, als würde die Nymphe am Grund fest hängen. Aber dann stellt sich ein Gefühl ein, als hätte ich ein kleines U-Boot am Ende meiner Schnur befestigt. Unaufhaltsam wird der Fisch flussauf- oder flussabwärts schwimmen und meinen Puls schneller schlagen lassen.

Die Rute wird sich bis zum Halbkreis biegen. Mit stoischer Kraft wird die Barbe Schnur von der Fliegenrolle ziehen. Meine zaghaften Bremsversuche werden den Fisch zunächst nicht beeindrucken, so dass ich warten muss, bis der kämpfende Fisch nach spannenden, endlosen Minuten die ersten Ermüdungszeichen zeigt. Jetzt kann ich versuchen, die Barbe mit vorsichtigen Pumpbewegungen der Rute in meine Richtung zu bugsieren. Aber mein Gegner am anderen Ende der Schnur wird sich längst noch nicht geschlagen geben und mit einer heftigen Flucht nochmals seine Kräfte mobilisieren und mir zeigen, dass das „Match“ noch nicht zu meinen Gunsten entschieden ist.
Endlich, nach langem hin und her, werde ich die Barbe in Reichweite meines bereit gehaltenen Keschers bringen und mit etwas Druck in die Maschen gleiten lassen.

Diese Momente der Spannung, Aufregung und des Glücks sind es, die mich beim Fliegenfischen auf diese einzigartigen Fische faszinieren und mich immer wieder herausfordern.

Günni Sareyka


Möchten Sie mehr über das Fischen auf Barben mit der Fliege erfahren, empfehle ich Ihnen meinen Power-Point Vortrag "Fliegenfischen auf Barben".