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Fliegenfischen am Kanal

Bei uns im Ballungsraum Ruhrgebiet bilden die westdeutschen Schifffahrts-Kanäle und Hafenanlagen mit einer Gewässerfläche von etwa 1000 ha für viele Angler einen bedeutsamen Bereich, um ihrer schönsten Freizeitbeschäftigung nachzugehen und Ruhe und Erholung zu finden.

Auch wir Fliegenfischer finden aufgrund der guten Wasserqualität und des hervorragenden Friedfisch- und Raubfischbestandes dieser künstlichen Wasserstraßen ein weites Betätigungsfeld.
Die Kanäle und Häfen bieten ein interessantes und anspruchvolles Revier, in dem Fischarten wie Zander, Barsch, Rapfen, Rotauge, Rotfeder, Brassen, Karpfen, Lauben u. a. mit der Fliegenrute erbeutet werden können.

Ruten und Schnüre

Für die Fischerei auf größere Raubfische wie Zander und Rapfen eignet sich eine 9 ft. lange Fliegenrute der Klasse 7/8 sehr gut. Geht es auf Barsche oder Weißfische, ist eine Fliegenrute der Klasse 5/6 ausreichend.
Eine zur Rute passende Fliegenrolle bestücken wir je nach Einsatzzweck mit einer Schwimm- oder Sinkschnur und natürlich genügend Backing-Line, die dann benötigt wird, wenn z. B. ein großer Rapfen mit uns den Kampf aufnimmt.

Die tiefen Stellen des Kanals werden überwiegend mit der Sinkschnur befischt.

Die Schwimmschnur kommt zum Einsatz, wenn raubende Fische an der Oberfläche auszumachen sind oder Fische nach Insekten steigen.
Fischen wir auf Zander in der Dämmerung, hat sich ebenfalls die Schwimmschnur bewährt, denn der "Stachelritter" sucht mit beginnender Dunkelheit die flachen Gewässerzonen auf, um dort nach kleinen Fischen zu jagen.
An Spundwänden treibt er oftmals seine Beute bis zur Wasseroberfläche empor und ein mit der Floating-Line parallel zur Spundwand ausgeworfener Streamer verspricht dann den größten Erfolg.
Auch beim Fischen auf die immer häufiger vorkommenden Rapfen ist eine schwimmende Schnur mit einem Keulenprofil oder ein Schußkopf die erste Wahl.

Angelplätze

In der Monotonie der geraden Wasserstrassen, deren Ufer mit Steinpackungen und Spundwänden gesäumt sind, ist es oft schwer geeignete Angelplätze zu finden.
Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass alle Stellen, die diese Gleichförmigkeit aufheben oder unterbrechen, einen Versuch mit der Fliegenrute wert sind.
Zu den attraktivsten Angelstellen an den Kanälen zählen daher Schiffsanleger, Schiffswendebecken, Schleusen, Brücken und andere markante Plätze wie Kanalkreuzungen und flache Stellen mit Unterwasserbewuchs.

Zander und Barsch

Am interessantesten für die meisten Fliegenfischer am Kanal ist die Fischerei auf Zander. Die durchschnittlichen Kanalzander wiegen etwa 3 Pfund. Der Fang größerer Zander mit Gewichten weit über 10 Pfund ist immer möglich.

Daneben erfreut sich der Barsch bei den Fliegenfischern großer Beliebtheit. Die meisten Stachelritter bringen etwa 150 bis 200 Gramm auf die Waage. Auch kapitale Einzelgänger, die über 2 Pfund wiegen können, kommen hin und wieder vor.


Da diese Spezies aus der Familie der Percidae (Barschartigen) meistens in der Nähe des Grundes stehen, eignet sich zum erfolgreichen Anbieten des Streamers eine schnell sinkende Schnur mit einer Sinkgeschwindigkeit von 15-18 cm/s oder alternativ eine Sink-Tip-Schnur mit einer 24 ft. Sinkspitze.

Als Fliegen kommen vorwiegend bunte und lebhaft im Wasser spielende Streamermodelle, z. B. Wooly-Bugger oder ähnliche Muster, zur Anwendung. Im Sommer eignen sich auch kleine silbern glänzende Streamer, die Fischbrut imitieren, sehr gut.


Da in den Kanälen ein nicht zu unterschätzender Krebsbesatz existiert, dürfte sich für experimentierfreudige Fliegenfischer auch ein Versuch mit entsprechenden Krebsfliegen lohnen.
Das Barsche die Krebse nicht verschmähen, zeigte der Mageninhalt eines für die Küche entnommenen Exemplares mit einer Länge von über 40 cm.


Ein weiterer gefangener Barsch spie nach dem Landen einen frisch erbeuteten kleinen Krebs aus!

Unsere Streamer werden flink und lebendig herangestrippt. Zum Aufnehmen der Fliegenschnur leistet hierbei ein Schnurkorb gute Dienste, denn oft haben wir es am Kanalufer mit Steinschüttungen und Pflanzenbewuchs zu tun. An diesen Hindernissen kann sich leicht unsere Fliegenschnur verwickeln und das Fliegenwerfen deutlich erschweren.

Nicht zu unterschätzen, gerade bei klarem Wasser, ist eine ausreichende Deckung und möglichst unauffällige Bekleidung. Auch sollte man beim Fischen an Spundwänden oder Kaimauern der Uferkante fern bleiben. Sehr oft konnte ich beobachten, dass speziell die Barsche den Angler bemerkten und dann den Streamer ignorierten.

Friedfische

Vielfach sieht man besonders im Sommer und Frühherbst Fische, die an der Wasseroberfläche aktiv sind. Meistens handelt es sich um kleinere Weißfische, wie Rotfedern und Lauben, die nach Köcherfliegen oder kleinen Mücken steigen. Ich konnte auch vereinzelt beobachten, dass Forellen Oberflächennahrung (Maifliegen!) aufnahmen.
In diesem Falle versprechen Trockenfliegen, die dem natürlichen Insektenaufkommen angepasst sind, gute Erfolge. Ein möglichst langes Vorfach an der Schwimmschnur ist bei der Präsentation der Fliege von Vorteil.

Stehen die Fische in Grundnähe, werden wir versuchen mit Nymphen und sinkender Schnur zum Erfolg zu kommen. Da die Kanäle einen guten Bestand an Bachflohkrebsen aufweisen, lohnt sich ein Versuch mit einer beschwerten Bachflohkrebsimitation. Unsere Nymphen und Flohkrebse holen wir mit kurzen Einstrippbewegungen der Schnurhand oder durch achtförmiges Bündeln der Fliegenschnur in der Hand ein.
Mein Freund Fred hat auf diese Weise sogar einen Rapfen von über 50 cm Länge auf einen größeren Bachflohkrebs!! fangen können.

Über das Thema Anfüttern beim Fliegenfischen hat mein guter Bekannter Dr. Markus Bötefür in seinem Buch „Angeln in Kanal und Hafen“ Stellung bezogen. Markus empfiehlt durchaus das Anfüttern der Friedfische beim Fliegenfischen.
Ich selber habe es noch nicht ausprobiert und mancher Purist wird sicher die Nase rümpfen. Unzweifelhaft ist, dass durch das Einbringen von Lockfutter logischerweise die Erfolgsaussichten gesteigert werden können.

Fazit:

Das Befischen der Kanäle bietet gerade den Fliegenfischern in Ballungsgebieten, gute alternative Möglichkeiten, ihrem Hobby zu frönen. Es müssen nicht immer Salmonidengewässer sein, um mit der Fliege schöne Fische fangen zu können. Oft liegen gute Angelstellen direkt vor der Haustür oder sind in kurzer Zeit erreichbar.
Entdecken Sie die Chancen, die Ihnen das Fliegenfischen an Kanälen bieten. Sie werden positiv überrascht sein.