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Lojt Land / Dänemark im Oktober 2010

Nach der Teilnahme als Fliegenbinder beim 6. Fliegenfischer-Forum in Bad Berka / Thüringen am 2. Oktober 2010 beschlossen meine Frau Gisela und ich noch etwas in Dänemark den Meerforellen mit der Fliegenrute nachzustellen.
Die Wetteraussichten für die kommende Woche waren viel versprechend. Wenig Wind, angenehme Temperaturen und kaum Regen wurden vorausgesagt. Deshalb fuhren wir mit unserem Wohnmobil direkt aus Thüringen in Richtung Dänemark.

Da wir für unseren Urlaub lediglich eine Woche Zeit vorgesehen hatten, entschieden wir, überwiegend die grenznahen Ostseeküsten im Süden Dänemarks (Nordschleswig) zu befischen.
Unsere Wahl fiel auf die landschaftlich reizvolle Halbinsel Lojt, auch Lojt Land genannt, mit ihren vielfältigen Möglichkeiten zum Watfischen an den Stränden des nördlichen Apenrader Fjordes, der südlichen Genner Bucht und dem im Osten gelegenen Kleinen Belt.

Die geografische Lage Lojts begünstigt auch einen schnellen Platzwechsel, falls einmal der Wind „aus der falschen Richtung“ das Werfen mit der Fliegenrute deutlich behindern sollte.
Auch ein Besuch der Insel Barsö ist mehr als eine Option, wenn auf dem Festland wegen starker Winde ein Fliegenfischen unmöglich wird. Die Autofähre nach Barsö fährt täglich 4 x hin und 5 x zurück (letzte Rückfahrt 17.30 Uhr).

Die in den einschlägigen Angelführern beschriebenen bekannten Angelstellen auf Lojt (Skarrev, Sandskaer, Loddenhoj, Spramshuse, Knudshoved etc.) sind in der Herbstsaison etwas weniger stark frequentiert, so dass genügend Platz für ein angenehmes, erholsames Fischen besteht.
Wer möchte und etwas Fußweg nicht scheut, findet auch ein Erfolg versprechendes ruhiges Plätzchen zum Fischen, dass in keinem Wegweiser beschrieben ist.
Genügend Möglichkeiten hierzu finden sich z. B. im Kleinen Belt auf dem sog. Bröde Grund und den vielen kleinen Buchten und Landspitzen entlang der Küstenlinie Lojts.

Im Oktober bei Wassertemperaturen um die 12 Grad Celsius bestehen grundsätzlich den ganzen Tag über Fangaussichten.
Das Fischen auf Meerforelle im Herbst ist im Gegensatz zum Frühjahr aber deutlich mühseliger und man benötigt mitunter eine enorme Ausdauerfähigkeit, ehe man zum Anbiss eines Fisches kommt. Manchmal entsteht der Eindruck, als wären die Fische sehr selektiv und launisch.
Ich denke, dass ist damit begründet, dass die Hauptaufstiegszeit der laichbereiten Meerforellen Ende September und im Oktober erfolgt und daher nicht mehr so viele Fische im Küstenbereich vorzufinden sind.
Eine weitere Rolle spielt auch, dass in den ufernahen Küstenregionen gegenwärtig ausreichend natürliches Futter vorhanden ist und die „Beißphasen“ der noch anzutreffenden Meerforellen entsprechend kürzer ausfallen.

Bedenken sollte man, dass in dieser Jahreszeit viele Meerforellen bereits ein ausgeprägtes braunes und festes Schuppenkleid (Laichkleid) tragen.
Diese Fische gehörten nicht in unser Beuteschema und wurden bei einem Fang selbstverständlich behutsam in ihr Element zurückgesetzt.

Um vermeintlich inaktive Fische zum Anbiss zu animieren, ist es jetzt empfehlenswert mit den Fliegen zu experimentieren und eine relativ kleine, naturfarbene Fliege, z. B. eine „Tangläufer“- oder Wasserasselimitation auf Hakengröße 8 oder kleiner, zu versuchen. Keinesfalls scheuen sollte man sich auch, einmal eine relativ große Garnelen- oder Fischchenfliege auf Hakengröße 2 ans Vorfach zu knoten!

Diese diffizilen herbstlichen Bedingungen und Herausforderungen sind es, die auf uns einen speziellen Anreiz ausüben und uns kontinuierlich jedes Jahr die weite Reise an die Ostseeküsten unternehmen lässt.

Hoffnungsvoll versuchen wir stets, eine schöne Meerforelle zum Nehmen der Fliege zu verleiten und man weiß ja nie, ob wir beim Fliegenfischen gerade einen Tag erwischen, an dem die Meerforellen „vor Ort“ sind und vehement anbeißen.


Vor allem im Herbst kann man bei ruhigem Wasser manchmal Fische ausmachen, die sich beim Erbeuten ihrer Nahrung an der Wasseroberfläche zeigen. Oft sind es nur kleine Wasserwirbel oder die Spitzen ihrer Rücken- oder Schwanzflossen, die ihre Anwesenheit verraten. Vielfach bringt dann ein präziser Wurf in die Nähe der raubenden Fische den erhofften Erfolg. Diese „Pirschfischerei“ ist für mich eine sehr spannende und erfolgreiche Variante des Meerforellenfischens an der Küste.

Die für uns interessanten silberblanken Fische mit losen Schuppen sind oftmals kleinere Meerforellen (sog. Grönländer) bis zu einer Länge von etwa 50 cm. Sie werden in dieser Saison noch nicht am Laichen teilnehmen.
Große silberne „Überspringer“, also Fische, die in diesem Jahr absichtlich nicht laichen werden, finden wir eher selten. Ihr Fang ist aber keineswegs ausgeschlossen!

Flunder

Da gerade die besonders großen laichbereiten Forellen relativ spät in ihre Laichgewässer ziehen, ist es ebenfalls möglich, eine dieser kampfstarken, in Topkondition befindliche Meerforelle an die Fliege zu bekommen und zu landen. Obwohl die Schonzeit dieser Fische in Dänemark erst am 15. November beginnt, sollte nach meiner Auffassung immer auf eine Entnahme dieser Fische, die ein deutliches Laichkleid tragen, verzichtet werden.
Der Drill an der leichten Fliegenrute ist allemal ein außerordentlich aufregendes Erlebnis.

Trotz täglicher intensiver Fischerei ist uns der Fang einer großen Meerforelle in diesem Urlaub nicht vergönnt gewesen.
Neben den Fängen von mehreren angefärben und untermaßigen Meerforellen, freuten wir uns über 3 schöne Fische im Jagdkleid, die ca. 50 cm Länge aufwiesen und für die Küche entnommen wurden.
Unser lieber Freund „Bäckerbernd“ (Bernd Essing) aus Bocholt, der zur gleichen Zeit vor Ort war, fing sogar auf eine kleine Garnelenfliege zwei schöne Plattfische, die den Speiseplan appetitlich bereicherten.

Nicht verschweigen möchte ich, dass für die Fangerfolge viele Stunden Angelzeit investiert werden mussten. An drei Tagen dieser Woche bekamen wir nicht einen einzigen Biss und unsere Standfestigkeit und Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt.

Beim Fischen über einem flachen Tangfeld, in dem meine Garnelenfliege häufig im Bewuchs festsaß, verlor ich einen großen Fisch, weil ich den Anbiss nicht richtig deutete. Der Biss des Fisches fühlte sich genau so an, als ob ich ein Stück Tang heranziehen würde. Erst als das Wasser regelrecht vor mir „explodierte“ und der Fisch aus dem Wasser sprang, war es für einen Anschlag zu spät und der Fisch kam vom Haken ab.

Wie schon seinerzeit die amerikanische Fliegenfischerlegende Mel Krieger einmal treffend sagte: „Man lernt beim Fliegenfischen niemals aus“!

So ist es!

Günni Sareyka