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Norwegen im Juni und Juli 2011

-Ein Reise- und Erlebnisbericht-

Das landschaftlich wunderschöne Norwegen mit seiner märchenhaften Natur besuchten wir früher schon einige Male, um insbesondere in den kleineren Lachsflüssen Sör-Tröndelags erfolgreich mit der Fliege zu fischen.

In diesem Jahr planten wir zur Mittsommerzeit eine 4-wöchige Rundreise mit dem Wohnmobil, überwiegend durch die südlichen Provinzen Norwegens. Nördlichster Punkt unserer Tour sollte die Insel Averöy und die bekannte, über 8 Km lange Atlantikstraße (Atlanterhavsveien) entlang der norwegischen Westküste sein, die mit ihren acht Brücken über mehrere kleine Inseln eine bekannte Touristenattraktion darstellt.

Primäres Anglerziel war es, unterwegs an schönen Binnengewässern, in den Fjorden und der offenen Atlantikküste etwas zu verweilen, um dort den (hoffentlich) anwesenden Fischen unsere Fliegen anzubieten.
Hierbei hatten wir außer der groben Fahrtrichtung keine festen Streckenlängen oder Orte vorgesehen. Wir wollten uns einfach „treiben“ lassen und der Zufall sollte uns zum Fliegenfischen an geeignete schöne Gewässer führen.

Mein heimlicher Wunschgedanke war es aber, im Salzwasser der Fjorde und Küsten mit der Sinkschnur und großen Streamern kämpferische Meeresfische zu fangen. Ich wollte mir dabei selbst beweisen, dass es möglich ist, mit den Mitteln der Fliegenfischerei auch in diesen Gewässern Erfolge zu erzielen. Die teils schwierigen Bedingungen und Herausforderungen, die dieses Umfeld dem Fliegenfischer bieten, übten auf mich eine besondere Anziehung aus.

Für die Überfahrt nach Norwegen entschieden wir uns für die Schnellfähre von Hirtshals nach Kristiansand, die für die Meerespassage lediglich etwa zwei Stunden Fahrzeit benötigt.
Um zeitlich unabhängiger zu sein, planten wir die Rückfahrt über Schweden und Dänemark, um über die großen Sundbrücken wieder das Festland zu erreichen.

Bereits am Pfingstmontag (13.6.2011) traten wir mit unserem gut beladenen Wohnmobil unsere Urlaubsfahrt an, denn bis zum Fähranleger in Hirtshals lagen noch etwa 900 km Fahrtstrecke vor uns und wir wollten ohne Hektik und Stress reisen.

Die Überfahrt mit der Schnellfähre am 15. Juni 2011 bei teils unruhiger See war ein erstes beeindruckendes Erlebnis, denn die enorme Kraftentwicklung und Geschwindigkeit dieses Schiffes war phänomenal.

Die Schnellfähre nach Kristiansand


In Kristiansand entschieden wir uns, am Fluss Otra entlang durch das schöne Setesdal auf der Straße Nr. 9 in Richtung Norden zu fahren.
Diese Straße führt durch eine abwechslungsreiche Landschaft, die von den flachen Kiefernwäldern des Südens bis in die nördlich gelegene unwegsame und wilde Hochgebirgslandschaft führt. Vorbei an kleineren und größeren Dörfern, hinter jeder Kurve neue Eindrücke mit Wasser, Wald und Gebirge - und immer lädt der Fluss Otra mit seinen teils wilden Wassern und großen seeartigen Verbreiterungen zum Verweilen und Fischen ein.

Der Fluss Otra


Farbenfrohe Otraforelle

Auf dem Campingplatz „Odden“ bei der kleinen Stadt Evje fanden wir direkt am Fluss einen komfortablen Stellplatz.
Und das Beste: Das Fischen auf dem Camp-Ground war für Gäste kostenlos!
Obwohl es leicht regnete, genügte ein Blick auf den hier langsam vorbei fließenden Fluss mit seinen vielen steigenden Fischen, um uns unruhig werden zu lassen. Kurze Zeit später standen wir bekleidet mit Wathose und Regenjacke im knietiefen Wasser des Uferbereiches der Otra und brachten unsere Trockenfliegen auf`s Wasser.
Das Ergebnis unserer Fangversuche waren wunderschöne, goldgelb gezeichnete Bachforellen mit Größen bis zu 28 cm Länge.
Die hier vorkommende Zwerglachsart „Bleke“, eine biologische Weiterentwicklung eines Lachsstammes aus der letzten Eiszeit, die nicht mehr als 250 Gramm wiegt, konnten wir nicht fangen.

Weiter fuhren wir am nächsten Tag bei wechselhaftem Wetter durch das Setesdal bis Haukeligrend und bogen dort auf die E 134 nach Nordwesten ab.
Immer wieder unterbrachen lange Tunnelpassagen unsere Blicke auf beeindruckende Gebirgslandschaften, kristallklare Seen, Flüsse und Wasserfälle und die noch schneebedeckten Ausläufer der Hardangervidda, der größten Hochebene Europas.

Wir folgten der Straße Nr. 13, die uns weiter direkt nach Norden am imposanten Lätefossen (Wasserfall) vorbei in Richtung des Ortes Odda führte. Odda ist der größte Ort am über 50 km langen und relativ schmalen Sörfjorden, der in den Hardangerfjorden bzw. Eidfjorden übergeht.

Lätefossen bei Odda

Lätefossen bei Odda

Mit dem Pontoon-Boat auf dem Sörfjorden

Auf einem ruhig gelegen Parkplatz direkt am Fjord bot sich mir die Gelegenheit, erstmals mein neues Pontoon-Boat zu Wasser zu lassen und die ersten Angelversuche auf Fjordfische zu unternehmen.
Ausgerüstet mit Sinkschnur der Rate 6, kurzem Vorfach und meinen zu Hause neu gebundenen Herings- und Makrelenstreamern ging es hinaus auf den still liegenden Fjord.
Die Schnur brachte den Streamer schnell auf Tiefe und ich konnte mit den „Pilkbewegungen“ beginnen.

Leider brachten diese Mühen und auch das Schleppen der Fliege vom geruderten Boot nicht den erhofften Erfolg, so dass ich nach ca. zwei Stunden das Fischen einstellte.

Nach einer kleinen Ruhepause setzten wir unsere Reise auf der wunderschönen Küstenstraße entlang des Sörfjorden fort. Überall begleiteten uns ausgedehnte Obstplantagen an felsigen Abhängen, die uns an Kulturlandschaften in Südtirol erinnerten.

Am Eidfjord entlang fahrend, erreichten wir abends den Ort mit gleichem Namen und folgten weiter einer schmalen Straße neben dem kleinen Simedalsfjorden.
In einer stillen Bucht fischten wir vom Ufer aus noch eine Weile, bevor wir uns ohne Fang zur Ruhe ins Wohnmobil begaben.

Am Simedalsfjorden

Am Simedalsfjorden

Am nächsten Morgen nahmen wir die Fähre über den Eidfjord von Brimnes nach Bruravik, um auf der Straße Nr. 13 das Städtchen Voss zu erreichen.
Dort angekommen, konnten wir an einer Tankstelle unsere Wasser- und Dieselvorräte auffüllen und mit vollen Tanks beruhigt unsere Fahrt zum Vikafjell mit seinen über Tausend Meter hohen Bergen antreten. Wir hofften, im Fjell einsam gelegene Seen zu finden und auf wilde Bachforellen und Saiblinge fischen zu können.

Fahrt zum Vikafjell

Fahrt zum Vikafjell

Die Fahrt über die wenig befahrene Straße führte uns dicht vorbei an teils noch schneebedeckten Bergen und Almen. Die Lufttemperatur betrug lediglich 9 Grad Celsius und wir merkten, dass in dieser Höhe der Winter nur widerwillig der warmen Jahreszeit weichen wollte.

Vikafjell

Vikafjell

Fliegenfischen in einsamer Bergwelt

Aber die Fische waren bereits aktiv! Überall auf den kleinen Seen im Hochgebirge entdeckten wir an der Wasseroberfläche die Anzeichen Nahrung aufnehmender Fische.
Schnell wurde das Fliegengerät gerüstet und nach einer kleinen Wanderung standen wir an einem unberührten See in grandioser Natur.

Die in Ufernähe rege steigenden Fische warfen wir mit Nassfliegen an und zupften sie durch achtförmiges Aufnehmen der Fliegenschnur heran.
Schnell merkten wir, dass die wild aufgewachsenen Fische ausgesprochen scheu waren und unsere Offerten ignorierten.
Nachdem wir auf dünne, lange Vorfächer und kleine Fliegen setzten, konnten wir die ersten Fische erbeuten. Kleine, relativ schlanke und wunderschön gezeichnete dunkle Bachforellen waren die Ergebnisse unserer Bemühungen. Da die Seen in dieser Höhe lange zugefroren sind, haben die Fische nur eine begrenzte Möglichkeit der Nahrungsaufnahme und bleiben entsprechend kleinwüchsig.
Trotzdem boten die Forellen durch ihr selektives Verhalten eine anspruchsvolle Fliegenfischerei in absoluter Stille.

Gisela mit "Fjellforelle"

Gisela mit "Fjellforelle"

Auf einem Rastplatz im Fjell fanden wir für die Nacht einen ruhigen Übernachtungsplatz und fuhren am nächsten Morgen nach Vik am Sognefjorden, den mit einer Länge von 204 km längsten Fjord der Welt.

Vik am Sogneforden


Weiter der Straße Nr. 13 folgend, überquerten wir mit der Fähre von Vangsnes nach Dragsvik den Sognefjord, um in nördlicher Richtung über das Gaularfjell zu fahren. Unser Ziel an diesem Tage war der etwa 70 km lange, unter Naturschutz stehende Fluss Gaula (es handelt sich nicht um den bekannten Lachsfluss Gaula im Trondheimfjordbecken!).

Die Fahrt zur Gaula über das Gaularfjell beinhaltete eine Bergüberquerung mit spektakulären Serpentinen, die uns sehr an die bekannte Touristenstraße „Trollstigen“ in der Nähe des Geirangerfjordes erinnerte.

Gaularfjell


Der Fluss Gaula bildet auf seinem Lauf bis zur Mündung in den schmalen Darlsfjorden zahlreiche eindrucksvolle Wasserfälle, die auf einem 22 km langen Wanderweg entlang des Flusses besucht werden können.

Gaula und Likholefossen


In der Nähe der Mündung der Gaula in den Fjord beim Ort Osen findet man die älteste Lachstreppe Norwegens, die 1871 erbaut wurde und mit 17 Stufen eine Höhendifferenz von 11 Metern überwindet.

Bei unseren Erkundigungen zum Erwerb einer Lizenz zum Lachsfischen in diesem wunderbaren, wilden Fluss erfuhren wir von einer netten Bäuerin, dass die Lachsfischerei wegen der hohen Regenmengen der vergangenen Wochen, derzeit wenig Erfolg versprechend sei, da die Lachse noch nicht die „Fossen“ (Wasserfälle) überwinden können.
So konzentrierten wir uns auf die Fischerei in den kleineren See und Wasserläufen des Tales.

Fliegenfischen im Regen

Fliegenfischen im Regen

Unsere Reise setzten wir auf der E 39 nach Förde fort, um dann auf den Straßen Nr. 5 und 615 zum großen See „Storfjorden“ zu gelangen. Hier wollten wir zwei Tage in einsamer Waldlandschaft fischend verbringen.

Gegen Mittag kauften wir in einer Hotelanlage bei Nesholmen für 50 Nkr die Angelkarten für die Zone 7, mit der wir bis zum nächsten Tag mehrere Seen und kleine Flussläufe befischen durften.
Die ersten Versuche mit Trockenfliegen, Nassfliegen und kleinen Streamern in der Nähe Nesholmens brachten nicht die gewünschten Erfolge.

Fliegenfischen in völliger Einsamkeit

Fliegenfischen in völliger Einsamkeit

Bachforelle aus dem Storfjorden

Erst als wir die flacheren, mit Unterwasserpflanzenbewuchs versehenen Ausläufer des Sees aufsuchten, entdeckten wir außer einem fischenden Prachttaucher die ersten aktiven Fische.

Mit kleinen, nass gefischten „Märzbraunen“ konnten wir zwei schöne wilde Bachforellen von 39 und 36 cm Länge fangen, die am leichten Fliegengerät beherzte Drills lieferten und unsere Küche mit ihrem lachsroten Fleisch bereicherten.

In einem kleinen Zulauf des Sees schlüpften viele Maifliegen der Gattung „Ephemera vulgata“, die oft bereits im Fluge von schönen Bachforellen mit kühnen Sprüngen erbeutet wurden.
Von uns angebotene, entsprechende Imitationen verfehlten ihre Wirkung nicht und so erlebten wir eine tolle Fischerei in der Abgeschiedenheit der norwegischen Natur.

Günni mit schönen Bachforellen

Günni mit schönen Bachforellen

Gisela ist getarnt!

Gisela ist getarnt!

Um unseren nördlichen Zielpunkt und damit die Fischerei auf Seefische in den Schären der Atlantikküste schneller zu erreichen, beschlossen wir, am nächsten Tag eine längeren Reisestrecke zurück zu legen.

Im Ponton-Boot auf dem Nordfjord

Entlang des Hye- und Gloppenfjordes fuhren wir am nächsten Morgen bei schönem Wetter in Sandane auf die E 39 zurück, um in Byrkjelo auf der Rv 60 zum Nordfjord nach Olden und Loen zu gelangen.
Hier wollte ich mit dem Poonton-Boat im Fjord mit der Sinkschnur einen Seefisch an den Streamer bringen.
Von einem früheren Besuch war mir eine ufernahe Stelle bekannt, an der ich vor vielen Jahren (noch mit dem Pilker) einen schönen Dorsch von 11 Pfund am leichten Gerät fangen konnte.
Jetzt sollte dieses auch mit der Fliegenausrüstung gelingen!

Leider blieb dieses Mal ein Fangergebnis aus. Lediglich ein kleiner Seelachs, der nicht viel größer als der ca. 10 cm lange Streamer war, nahm die Fliege voll und wurde sicher gelandet!!

Lovatnet

Abends besuchten wir den nicht weit von Loen entfernten See „Lovatnet“. Der Lovatnet ist ein landschaftlich reizvoll gelegener, kristallklarer See, der insbesondere mit dem Wasser des Gletschers „Jostedalsbreen“ gespeist wird und dadurch eine intensiv „milchig“ blau-grüne Färbung zeigt.
Da das Fischen im See frei war, zog ich direkt die Wathose an und hielt Ausschau nach steigenden Fischen. Nach einiger Zeit konnte ich kleine Ringe auf der spiegelglatten Oberfläche des Sees ausmachen und präsentierte meine Fliege in die Nähe der Fische. Das Resultat meiner Fischerei waren mehrere kleine Bachforellen, die durch die Farbe des Wassers ein fast silbern glänzendes Schuppenkleid, ähnlich einer Seeforelle, aufwiesen.

Romsdalsfjorden

Romsdalsfjorden

Über die Straßen 60 fuhren wir nach Stranda und überquerten mit der Fähre den Storfjorden. Weiter ging es auf der Straße Nr. 650 und die nach Norden führende E 39 weiter nach Vestnes am Romsdalsfjorden. Hier brachte uns die Fähre über den Fjord zur modernen Stadt Molde. Ohne dortigen Aufenthalt fuhren wir weiter und erreichten am frühen Abend bei leichtem Regen die Atlantikstraße und die Insel Averöy.

Atlantikstraße und Averöy


Wir fanden eine unvergleichbare Küstenlandschaft mit vielen Schären und Klippen vor, die auch bei widrigen Wetter- und Windverhältnissen geschützte Angelplätze boten.

Averöy

Averöy

Nahe der Atlantikstraße

Zwischen den Inseln und Steinfeldern fanden sich tiefe Rinnen. Im Wasser an den oft steil abfallenden Ufern wuchs meterlanger Tang (Kelp). Es fanden sich Seegraswiesen und Muschelbänke, die von einer Vielzahl von unterschiedlichen Fischarten und anderen Meereslebewesen des Atlantiks bevölkert wurden. Und das Beste: All die vorkommenden Fische konnten hier vom Ufer aus befischt werden! Topp-Angelstellen fand ich an den vielen Meerengen, durch die das Wasser bei Tidenwechsel hindurch strömte.

Ausgerüstet mit einer 8er Einhandfliegenrute, schnell sinkender Fliegenschnur auf der Rolle, 0,35er Vorfach in Rutenlänge, großem Unterfangkescher und Schnurkorb ging es hinauf auf die Schärenfelsen.

Als Streamer wählte ich ca. 10 cm lange Streamer, die kleine Makrelen oder Heringe imitierten (siehe Bindeanleitung).

Beim Betreten der Felsen war bei Nässe große Vorsicht geboten, denn der sonst bei Trockenheit problemlos zu begehende Untergrund wurde, bedingt durch eine aufliegende dünne Algenschicht, glatt wie Schmierseife. Hingegen boten die mit den Schalen der Seepocken versehenen Uferpartien auch bei Feuchtigkeit einen rutschfesten Untergrund.

Das Werfen mit der dünnen Sinkschnur war problemlos möglich, da von den sonst hier oft auftretenden starken Winden nichts zu spüren war. Dank der spärlichen Bindeweise und der Materialzusammensetzung der großen Streamer waren Wurfweiten über 20 Meter erreichbar.

Die 8er Fliegenschnur mit der Sinkrate 6 brachte den Streamer schnell auf Tiefe und ich konnte mit dem Einstrippen der Schnur beginnen. Noch bevor der Streamer den Ufersaum erreichte, spürte ich einen Biss, den ich mit einem beherzten Anhieb quittierte.

Was dann geschah hatte ich noch nie vorher erlebt! Mit unbeschreiblicher Geschwindigkeit ging der Fisch in die Tiefe und zog dabei rasant viele Meter Fliegenschnur durch meine Finger. Der Schreck jagte meinen Puls schlagartig nach oben. Alles ging so schnell, dass ich nicht in der Lage war, den Fisch zu halten, geschweige denn, Schnur auf die Rolle zu bringen. So kam es wie es kommen musste: Der Fisch setzte sich im meterhohen Tang fest. Heftiges Ziehen an der Schnur brachte nicht den gewünschten Erfolg, denn die Pflanzen waren so dicht, dass ein Lösen des Fisches unmöglich schien. Keinesfalls wollte ich diesen Fisch durch Abriss der Schnur verlieren und so versuchte ich als letztes Mittel einen kleinen Trick: Statt an der Schnur zu ziehen, ließ ich die Schnur ganz locker und wartete geduldig darauf, dass der Fisch hoffentlich aus dem Tangfeld wieder heraus schwimmt. Tatsächlich, nach einiger Zeit, merkte ich wie die Fliegenschnur in Bewegung kam und ich erneut Kontakt zum Fisch herstellen konnte. Der Rest war „Formsache“ und ich konnte meinen ersten großen Seefisch auf Fliege, einen Pollack von etwa 60 cm Länge, sicher landen.

Schöner Pollack nahm einen Streamer

Schöner Pollack nahm einen Streamer

Die Freude darüber war riesig, hatte ich einen so schnellen Erfolg wirklich nicht erwartet!

Fast jeder weitere Wurf brachte in Folge eine vehemente Attacke auf die Fliege. Aber ich war jetzt besser auf die Ereignisse vorbereitet. Nach einem Biss versuchte ich durch nachdrückliches Halten der Schnur die Fische davon abzuhalten, in die Tangfelder zu entkommen. Meine SAGE Xi2-Rute war vorher noch nie so stark gebogen, wie bei diesen spektakulären Drills der starken Pollacks und Köhler.

Pollacks und Köhler


Günni mit Pollack

Günni mit Pollack

Gisela mit geflecktem Lippfisch

Anscheinend hatte ich eine gute Angelstelle gefunden und den optimalen Tidenstand an diesem Tage genau getroffen.

Aber auch weitere Angelversuche an anderen Uferstrecken Averöys und der Atlantikstraße brachten kampfstarke Fische an Giselas und meine Fliegen.

Gisela gelang sogar der Fang eines gefleckten Lippfisches und eines orangeroten Dorsches auf einen GS-CDC-Shrimp der Hakengröße 4!

Mein heimlicher Wunschtraum, starke Meeresfische mit der Fliegenrute zu fangen, ging an der Atlantikküste in Erfüllung!

Fahrt zur Glomma

Dankbar darüber und froh über die schönen Angelerlebnisse an der Küste, machten wir uns am nächsten Tag in Richtung Süden auf, um Norwegens längsten Fluss, die Glomma, in der Provinz Hedmark zu besuchen. Ich wollte dort bei den kleinen Orten Tolga und Os mit leichtem Fliegengerät insbesondere den Äschen nachstellen.
Unsere Fahrt zur Glomma führte uns auf der Straße Nr. 70 durch das Sunndalen, entlang des bekannten Lachsflusses Driva. Wir folgten den Fluss bis Oppdal und bogen dort auf die E 6 in nördliche Richtung ab. Weiter ging es durch das nach Südwesten führende Orkdalen entlang des Lachsflusses Orkla und weiter durch das Tunndalen zur Glomma.

Als ich 1986 zum ersten Mal diesen bis zu 300 Meter breiten Fluss besuchte, war ich, obwohl ich noch nicht mit der Fliege fischte, von den unterschiedlichen Gewässerstrukturen begeistert. Der Fluss hat reißende Schnellen, rasch strömende Passagen und ruhige, fast stehende Abschnitte.
Das Insekten- und Kleinfischaufkommen ist enorm und bildet die Grundlage für einen großen Fischreichtum, der viele Fliegenfischer aus aller Welt anzieht.

Fliegenfischen in der Glomma

Fliegenfischen in der Glomma

An der Glomma gibt es mehrere Fischereizonen. Seit einigen Jahren findet man auch eine Fly-Fishing-Zone (Kvennan-Flyfishing) in Tolga mit beschränkter Fischentnahme.
Ich entschied mich für eine preislich günstigere Glommastrecke oberhalb der Fly-Only-Zone. Mit der Angelkarte waren auch Teile der Nebenflüsse Vangröfta und Nöra befischbar.

Da die Vangröfta mir überschaubarer und einfacher zu befischen schien, verbrachte ich einen Nachmittag an diesem schönen Fluss. Überall entdeckte ich auf dem Wasser eine Vielzahl großer Maifliegen. Auch steigende Fische waren auszumachen. Aber sie ignorierten die Maifliegen. Was nahmen sie wohl? Nachdem ich fast alle Muster meiner Fliegendose ausprobiert hatte, knüpfte ich eine kleine CDC-Eintagsfliege ans Vorfach und fing promt eine 32 cm lange Äsche.

An der Vangröfta

An der Vangröfta

Am nächsten Morgen wollte ich einen mittelschnell fließenden, tieferen Flussabschnitt der Glomma befischen, der sehr aussichtsreich zum Fliegenfischen auf Äschen zu sein schien. Und richtig, am Wasser angekommen, entdeckte ich direkt vor mir in etwa 15 Meter Entfernung stetig steigende Fische.
Sie standen dort, wo zwei Strömungen zusammen liefen und abtreibende Insekten leicht aufgenommen werden konnten.
Ich knotete eine gut schwimmende 14er Buck Caddys an das sehr lange feine Vorfach und warf die Fliege flussaufwärts in die Driftbahn.
Leider erschwerten Strudel und Wasserwirbel eine gute Beobachtung meiner Trockenfliege auf so große Distanz und ich verpasste den ersten Biss.
Ich wechselte auf eine mittelgroße olivfarbene CDC-Eintagsfliege und warf mit einem Fallschirmwurf erneut aus. Die widerhakenlose Trockenfliege war mit ihren aufrecht stehenden Flügeln anscheinend nicht nur für mich gut sichtbar, denn in einem kleinen Wirbel wurde die Fliege von der Wasseroberfläche genommen. Mein verzögertes Anheben der Rute erzeugte heftige Gegenwehr. Mit Unterstützung der Strömung flüchtete der Fisch stromabwärts und nahm Schnur von der leicht eingestellten Rolle. Mit einer Richtungsänderung und einem Sprung aus dem Wasser versuchte der Fisch zu entkommen und offenbarte sich dabei als große Äsche.
Aufgeregt dirigierte ich mit leichtem Zug die Äsche immer mehr ans Ufer und nach wenigen Minuten konnte ich einen herrlichen Fisch von genau 46 cm Länge über den Kescherrand führen.

46 cm lange Äsche

46 cm lange Äsche

Große Freude über diese schöne Äsche stellte sich ein und dankbar entließ ich sie nach einem kurzen „Fotoshooting“ in ihr heimisches Element.
Welches Glück ich mit dem Fang dieses Fisches am ersten Angeltag an der Glomma hatte, erfuhr ich später bei einem Blick in die Fangstatistik von Kvennan-Flyfishing. Nur 0,8 % aller im Jahre 2008 gefangenen Äschen dieser Glommastrecken waren größer als 45 cm!

46er Glomma- Äsche

46er Glomma- Äsche

Um das Glück an diesem Tag komplett zu machen, gelang mir kurze Zeit später auf eine tief gefischte Nassfliege „March brown“ der Fang von weiteren Äschen von 44 cm, 35 cm und 30 cm.

44er Glomma-Äsche

44er Glomma-Äsche

Gegen Mittag setzten wir unsere Heimreise fort. Wir entschieden uns nicht durch das Österdalen entlang der Glomma, sondern auf der Straße 30 durch das Tyldalen und Rendalen entlang des etwa 30 km langen Sees „Storsjöen“ zu fahren. Die weitere Fahrt längs des Flusses Rena führte uns wieder ins Tal der Glomma, der wir bis zur Stadt Elverum folgten.
In Elverum war natürlich ein Besuch des „Norsk Skogmuseum“ (Norwegisches Waldmuseum) Pflicht. Das Museum dokumentierte in beeindruckender Weise das Leben im Wald, die Forstwirtschaft, die Jagd und für uns besonders interessant, den Fischfang. Einmal jährlich organisiert das Museum einen großen internationalen Fliegenbindewettbewerb, an dem viele bekannte Fliegenbinder teilnehmen.

Im Norsk Skogmuseum in Elverum


Von Elverum aus ging es weiter auf der Straße Nr. 20 durch das Glommatal bis Kongsvinger. Von dort die Straße 2 entlang bis Skotterud. Hier bogen wir auf die Straße Nr. 21 ab, um an den wunderschönen Seen Römsjöen, Rödenessjöen, Bönsfjorden, Ara, Aspern, Femsjöen u.a. vorbei nach Halden zu gelangen. Die genannten Seen beherbergen einen beträchtlichen Hechtbestand, an denen experimentierfreudige Angler vom Boot aus erfolgreiche Angelstunden erleben können.

Ab Halden fuhren wir auf die Autostraße E 6, die uns auf dem schnellsten Weg bis Malmö brachte. Wir überquerten die imposanten Brückenbauwerke über den Öresund und den Großen- und Kleinen Belt und erreichten dänisches Festland.
Von dort betrug die Fahrtstrecke bis zu unserem Heimatort Bochum noch knapp 600 km.

Etwas erschöpft aber glücklich kamen wir nach insgesamt etwa 4500 km Reisestrecke und 4 Wochen Urlaub zu Hause an. Wir konnten auf unserer Fahrt eine einzigartige Naturvielfalt erleben und beeindruckende, von der Urzeit geprägte, Landschaften kennen lernen.
Wir hatten tolle Angelerlebnisse an einsamen, teils unberührten, fischreichen Seen und Flüssen und der wild zerklüfteten Atlantikküste.

Anglerherz, was willst du mehr! Norwegen, wir werden wieder kommen!

Viele Grüße
Günni Sareyka


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