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Allgemein

Reise durch Schweden Juni / Juli 2012

Schwedisch Lappland und andere Provinzen

Einleitung:
Nachdem wir unsere Skandinavientour auf der Hinfahrt durch Norwegen überwiegend auf dem Kystriksveien (Straße KV 17) bis zur Stadt Bodø absolvierten (siehe Teil 1 des Reiseberichtes), wählten wir die Rückreise über Schweden. Wir bevorzugten diesen Weg, weil wir ohne vorherige Buchung einer Fährverbindung unsere Reise zeitlich unabhängiger gestalten wollten. Statt der Fähre nahmen wir die Autopassage über die großen Sundbrücken von Schweden nach Dänemark.
Es war uns natürlich vorher bewusst, dass wir dadurch viele Kilometer Autofahrt mehr bewältigen mussten.

Reisebericht:
Mittwoch, 27. Juni 2012:
Das Thermometer zeigte heute auf dem Rastplatz am Grenzübergang Schweden zu Norwegen eine Temperatur von 6 Grad Celsius an und überall fanden sich auf den Höhen noch die Schneereste des letzten Winters. Klar, das war zu dieser Jahreszeit nicht ungewöhnlich, denn wir befanden wir uns im Fjell auf einer Höhe von etwa 700 Meter über dem Meeresspiegel.

Rastplatz am Grenzübergang Norwegen / Schweden

Rastplatz am Grenzübergang Norwegen / Schweden

Weiter fuhren wir auf dem Silvervägen (Silberweg), der Reichsstraße 95, zunächst durch die Pite Lappmark bis zum Ort Arjeplog. Die Reise dorthin führte uns auf einer einsamen, kaum befahrenen Straße hinunter aus dem Gebirge in eine ursprüngliche wilde Landschaft, die nordische Tundra. Sie faszinierte uns mit ihren Nadelwälder, kleinwüchsigen Birken, Moosen, Flechten, ungezähmten Flüssen und stillen Seen.

Pite Lappmark

Pite Lappmark

In Arjeplog machten wir am kleinen Hafen eine Rast und schauten den anwesenden Bootsanglern beim Vorbereiten zum Schleppfischen zu. Wir erfuhren von ihnen, dass am nächsten Tag eine Trollingmeisterschaft auf Saiblinge und Forellen auf den großen Seen um Arjeplog ausgetragen wird.
Manche Boote waren mit über 10 verschiedenen Schleppangeln und Downriggern ausgestattet. Na ja, das ist zwar nicht unsere Vorstellung vom sportlichen Fischen, aber wenn es erlaubt ist und gefällt!
Wir bevorzugen lieber die feine elegante Art des Fischen, das Fliegenfischen!

Donnerstag, 28. Juni 2012:
Früh fuhren wir weiter auf der Reichsstraße 95 bis zum Ort Arvidsjaur, in dem noch 20 Samenfamilien in traditioneller Weise leben.
Hier bogen wir auf die 88 bis zum kleinen Örtchen Slagnäs ab. Auf dem Campingplatz oberhalb des Slagnåsforsen (Stromschnellen) des Flusses Skellefteälven nahmen wir Quartier, um im Fluss zu Fischen, Wasser für das Wohnmobil zu fassen und natürlich auch abends das Spiel der Fußball-Europameisterschaft Deutschland gegen Italien im Fernsehen zu sehen.

Der Campingplatz in Slagnås wird von Sabrina und Tobias, einem jungen deutschen Paar aus Bayern, geführt, die fürsorglich ihre Gäste betreuen. (www.slagnascamping.com).

Auf dem Campingplatz erhält man auch die „Fiskekort“ für ein großes Angelgebiet. Der Slagnåsforsen ist für seine großen Wanderforellen bekannt; entsprechend viel wird dort in der Nähe des Camps gefischt.
Neben den großen Forellen kommen u.a. in den Gewässern um Slagnås auch Äschen, Felchen, Barsche und große Hechte vor.

Die Gemeinde Slagnås setzt anscheinend vermehrt auf den Angeltourismus, denn das mit großen Ufersteinen und Felsen geprägte Flussufer des Forsen ließ sie auf beiden Seiten mit gut begehbaren Holzstegen versehen.

Slagnåsforsen

Slagnåsforsen

Gegen Mittag löste ich für 100 SEK (etwa 12,00 €) eine Tageskarte zum Fischen, die ab Angelbeginn 24 Stunden Gültigkeit hat (ist oft in Skandinavien die Regel und vorbildlich!).
Zunächst versuchte ich in den Stromschnellen mein Glück auf Forellen und fischte mit dem Streamer an der Sinktipschnur. Leider konnte ich, wie auch andere anwesende Angler, hier keinen Biss verzeichnen.


Nachmittags suchte ich mir einen etwas ruhiger fließenden Flussabschnitt unterhalb der Stromschnellen aus und fischte dort zunächst mit einer „Märzbraunen“ (Nassfliege). Kleinere Äschen, die schonend zurückgesetzt wurden, waren die erste Beute. Ein großer Fisch schnappte sich so vehement meine Fliege, dass hierbei das 20er! Vorfach riss. So ein Pech und sehr ärgerlich (auch für den Fisch natürlich).
Das Waten im Fluss gestaltete sich wegen der großen Steine schwierig und so war ich froh, dass ich meinen Watstock dabei hatte. Trotzdem stolperte ich beim vorsichtigen Gehen im Wasser, verlor das Gleichgewicht und nahm ein unfreiwilliges Bad. Dank der gut geschlossenen Watjacke wurde nur der Pullover am linken Unterarm nass.

Skellefteälven unterhalb des Slagnåsforsen

Skellefteälven unterhalb des Slagnåsforsen

Es wehte ein frischer, eisiger Wind und auch der dicke Fleecepullover und die Windjacke verhinderten nicht, dass ich heftig fror.
In einer Rückströmung bemerkte ich schlüpfende Eintagsfliegen und sofort reagierten auch die Fische darauf. Überall sah man jetzt die Steigzeichen der Fische an der Wasseroberfläche.
Schnell wurde die Fliege gewechselt und eine CDC-Eintagsfliege ans Vorfach geknüpft. Nacheinander konnte ich damit Äschen, Bachforellen und Felchen an die Fliege bringen. Es war ein schönes Fischen, das besonders die Felchen durch spannende Drills am feinen Gerät kurzweilig gestalteten.

Felchen

Felchen

Freitag, 29. Juni 2012:
Nach einem ausgiebigen Frühstück setzten wir unsere Fahrt auf der Strasse 88 in Richtung der Orte Storuman, Wilhelmina und Dorotea fort. Mehrmals mussten wir unsere Fahrt stoppen und Rentiere die Straße passieren lassen.

Rentiere

Rentiere

Unterwegs fanden wir am Straßenrand viele Schilder, die auf Angelgewässer und Camps hinwiesen. Wegen der eventuellen Übertragung von Krankheiten durfte man an einigen Seen leider kein eigenes Boot zu Wasser lassen und so kam mein Pontoon-Boat nicht zum Einsatz.
Da es abends auch noch heftig zu regnen anfing, nutzen wir das schlechte Wetter zum Reisen.

Samstag, 30. Juni 2012:
Unsere Fahrt ging weiter auf der 88 bis Östersund. Etwas weiter südlich nahmen wir die Strasse 81 bis zum Ort Sveg. Hier bogen wir in die ursprüngliche Landschaft der Provinz Härjedalen zum Ort Lofsdalen ab.
Am Wegesrand wiesen Warnschilder auf Bärenwechsel hin; leider haben wir Meister Petz nicht zu Gesicht bekommen. Neben Braunbären streifen unter anderen Elch, Ren, Luchs, Vielfraß und Wolf durch die Wälder im Norden Dalarnas. Auch Hirsche und Adler haben hier ihr Zuhause.
Ebenfalls sind Biber anzutreffen; am Ufer eines kleinen Flusses fanden wir ihre Spuren.

Biberspuren

Biberspuren

Den Abend picknickten wir bei Sonnenschein und Windstille an einem schönen See. Nur schrecklich, dass es die reichlich vorhandenen Mücken auf uns abgesehen hatten und uns mit Stichen quälten, die noch tagelang juckten.

Abendstimmung am See

Abendstimmung am See


Sonntag, 1. Juli 2012:
In Sörvattnet verließen wir die gut befestigte Straße und fuhren über eine Schotterpiste durch eine abgelegene, fast unberührte Region. Neben der Straße sahen wir auch große Gatter, die anscheinend von den heimischen Samen für ihre Rentierherden genutzt wurden.

Schotterstraße nach Foskros

Schotterstraße nach Foskros

Am Ende der unbefestigten Straße kamen wir zur kleinen Siedlung Foskros, die zum bekannten Wintersportort Idre gehört. Idre ist umgeben von insgesamt 188.000 ha Naturreservaten und mehreren Nationalparks.

In Foskros kauften wir für 60 SEK eine 24-Stunden-Angelkarte für die „Särna-Idre-Fiskevårdsomrade“. Die Fischereikarte ist gültig für ein riesiges Angelgebiet mit unzähligen Flüssen und Seen. Möchte man alle Gewässer dieses Gebietes einmal befischen, würde man hierzu sicher ein ganzes Fischerleben benötigen.
Erfreulich war, dass 6 verschiedene Flussabschnitte ausschließlich mit der Fliege befischt werden durften.

Am Abend suchten wir zum Fischen eine „Fly-Only-Strecke“ des Flusses Storån (Österdalälven) auf. An diesem Fluss hat früher selbst die englische Fliegenfischerlegende Frank Sawyer mit seinen von ihm entwickelten Nymphen (Pheasant Tail, Grey Goose, Killer Bug, Swedish Nymph) gefischt.

Storån (Österdalälven)

Storån (Österdalälven)

Wir nahmen aber die klassische Nassfliege und banden überwiegend die „March Brown" (Märzbraune) in Hakengröße 10 und 12 ans Vorfach.
Die Fliege war recht erfolgreich und wir hatten reichlich Freude am Fang schön gezeichneter Bachforellen.
Ich befischte später einen stärker strömenden Abschnitt des Flusses und bekam dort einen enorm heftigen Anbiss eines großen Fisches. Der Fisch riss mir förmlich die Fliegenschnur aus der Hand und tauchte ab. Leider konnte ich den Fisch nicht haken. Pech gehabt!

Montag, 2. Juli 2012:
Am Morgen unternahmen wir über eine schmale Schotterstraße einen Abstecher zum abseits gelegenen See Hällsjön und weiter zur oberen Fliegenstrecke des Flusses Storån.


Neben Bachforellen konnte Gisela auch eine kleinere Regenbogenforelle, die sicherlich ein Besatzfisch war, fangen.
Beim Fischen war es wegen der zahlreichen Mücken und Bremsen unbedingt notwendig, ein gutes Mückenschutzmittel oder ein Moskitonetz zu verwenden, da sonst der Aufenthalt in der Natur sehr unangenehm wird.

Gisela beim Fliegenfischen am Storån

Gisela beim Fliegenfischen am Storån

Dienstag, 3. Juli 2012:
Reisetag! Von Idre über Särna, Sälen, Lima bis Malung fuhren wir entlang des Flusses Västerdalälven. Dann bogen wir ab und folgten dem Fluss Klarälven nach Süden.


Weiter ging es zum kleinen Ort Ekshörad. Nachdem wir die interessante Kirche des Ortes mit einer Fassade aus Holzschindeln besichtigt hatten, fuhren wir zur Stadt Säffle und setzten unsere Fahrt am Nachmittag bis nach Mellerud fort.

Mittwoch, 4. Juli 2012:
Reisetag! Über Trollhättan und Göteborg fuhren wir bis Varberg. Hier war ein Besuch des alten Badehauses am Strand und der imposanten Festung angesagt.
Bei sommerlichen Temperaturen nutzten viele Einheimische ein Sonnenbad am Strand des Badehauses.

Altes Badehaus in Varberg

Altes Badehaus in Varberg

Ziel unserer Tagesetappe war das Städtchen Falkenberg. Dort sahen wir am bekannten Lachsfluss Ätran dem Treiben der Angler und dem Springen der Lachse auf der etwa 2,5 km langen Angelstrecke, die teilweise mitten durch den Ort führt, zu.
An der „Laxbron“ (Lachsbrücke) gibt es eine Hütte, in der die Fischereikarten für den Fluss verkauft werden. Dort ist auch ein Wiegeplatz vorhanden und in einem Buch werden alle gefangenen Fische (unterteilt nach Lachs und andere Fische) handschriftlich eingetragen. Ein Blick in das „Lachsbuch“ zeigte mir, dass in der letzten Zeit schöne Lachse bis 10 kg gefangen wurden.
Eine Lachslizenz lösten wir aber nicht, weil wir unsere Reise am anderen Tage zügig fortsetzen wollten.

Laxbron (Lachsbrücke) über den Fluss Ätran

Laxbron (Lachsbrücke) über den Fluss Ätran

Donnerstag, 5. Juli 2012:
Reisetag! Heute nahmen wir die beiden mautpflichtigen Brücken (Öresundbrücke und die Brücke über den Storebælt) und erreichten Fünen in Dänemark.
Von dort waren noch bis Bochum etwa 700 km auf der Autobahn zurück zu legen.
Gegen Abend erreichten wir etwas erschöpft unsere Heimat.
An die vielen Eindrücke und schönen Fangerlebnisse auf unserer erlebnisreichen Reise werden wir uns sicher immer erinnern.