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Mit dem Wohnmobil durch Südnorwegen 2014

Ein Reise-, Angel- und Erlebnisbericht

Im Sommer 2014 sind meine Frau Gisela und ich mit unserem Wohnmobil durch Süd- und Fjordnorwegen gereist, um insbesondere Norwegens großartige Natur zu erleben, beeindruckende Landschaften zu fotografieren und unterwegs an geeigneten Uferstellen, hauptsächlich an der Atlantikküste und in den Schären und Fjorden, mit der Fliegenrute auf Meeresfische zu angeln.

Dieser Bericht schildert wie ein Tagebuch die einzelnen Etappen, Episoden, Begegnungen und Ereignisse unserer Reise.


19.6.2014 morgens: Fährüberfahrt
Abfahrt mit der Fähre der Reederei Fjordline vom dänischen Fährhafen Hirtshals nach Langesund in Norwegen.


19.6.2014 nachmittags: Reise von Langesund nach Arendal
In Langesund nahmen wir die mautpflichtige Europastrasse E 18 und fuhren bis nach Arendal.


20.6.2014: Reise von Arendal nach Egersund
Für diesen Abschnitt wählten wir den Reichsweg (norw. = Riksvei = RV) 42 über Evje. Die Straße war sehr gut zu befahren, da sie teils eine neue Fahrbahndecke bekommen hatte und wenig Verkehr aufwies.
Ab Evje ging es weiter auf dem RV 42 hinauf in die Berge, wobei teilweise Steigungen mit über 10 % zu überwinden waren. Nach einer Rast in Eiken ging es weiter in Richtung Tonstad in die Provinz Rogaland entlang des Flusses Gyaåa durch das Gyadalen.
Im Gyadalen kamen wir an Nordeuropas längster und am besten erhaltenen Steinbogenbrücke „Terland Klopp“ vorbei. Gegen 20 Uhr erreichten wir Egersund.

Fluss Gyaåa und Brücke "Terland Klopp"


21.6.2014: Reise von Egersund zur Insel Randøya
Von Egersund fuhren wir durch das Tengsdal entlang des Lachsflusses Bjerkreimselva. Vielerorts bestanden Möglichkeiten zum Erwerb einer Angellizenz, die wir aber nicht nutzten.

Bjerkreimselva

Bjerkreimselva

Auf der Europastraße E 39 setzten wir unsere Reise in Richtung Ålgård fort und erreichten Sandnes, wo wir auf die schöne Touristenstraße „Ryfylkeveien“ (RV 13) abbogen.
Der ca. 180 km lange Ryfylkeveien ist eine abwechslungsreiche norwegische Landschaftsroute. Sie bietet überwältigende Ausblicke auf üppig bewachsene Fjorde, kahle Berge, rauschende Wasserfälle, weite Täler und enge Schluchten.

Auf dem Ryfylkeveien

Auf dem Ryfylkeveien

Auf dem Ryfylkeveien fuhren wir zunächst mit der Fähre von Lauwika nach Oanes über den Høgsfjorden.

Fähre nach Oanes

Fähre nach Oanes

Weiter ging unsere Tour nach Jørpeland entlang des hellgrün schimmernden Lysefjord mit Blick auf den gewaltigen, fast senkrecht aufragenden Felsen „Preikestolen“ (übersetzt: Predigtstuhl) mit seinem 600 m hohen ungesicherten Gipfelplateau.

Am Hafen in Jørpeland machten wir eine kleine Pause und fuhren anschließend weiter bis kurz vor Hjelmeland.

Hafen in Jørpeland

Hafen in Jørpeland

Da es Zeit wurde einen Übernachtungsplatz zu finden, überquerten wir eine beeindruckende Straßenbrücke, die uns auf die einsame Insel Randøya brachte.


Im kleinen Örtchen Randåsen führte uns eine schmale Straße zu einem abseits gelegenen Schiffskai am Fjord. Eine ideale Stelle zum Fischen und Übernachten!
Sofort wurden die Fliegenruten klar gemacht und kleine Streamer an der Sinkschnur auf Tiefe gebracht. Zwei einheimische Spinnfischer kamen hinzu und angelten in unserer Nähe. Nach einiger Zeit bekam ich den ersten Biss. Ein schöner Pollack nahm die Fliege und wurde nach stürmischem Drill für die Küche entnommen. Auch einem Spinnfischer gelang der Fang eines Pollacks. Mehr Fische wollten bei den beiden Anglern aber nicht anbeißen. Wir hingegen stellen wieder einmal fest, dass die Fliegenfischerei oft erfolgreicher ist, denn wir fingen auf unsere Fliegen weitere Pollacks und eine Makrele!


22.6.2014: Reise von Randøya nach Nesflaten
Früh im 6 Uhr war ich bereits wach und stand kurze Zeit später am Wasser. Leider wollte sich kein Fisch mehr von meinen Fliegen betören lassen.
Nach dem Frühstück setzten wir unsere Reise auf dem Ryfylkeveien fort.
Wir nahmen die Fjordfähre von Hjelmeland nach Nesvig und reisten entlang des Jøsenfjorden durch eine herrliche Gebirgslandschaft.

Jøsenfjord

Jøsenfjord

Gegen 12.30 Uhr erreichten wir den Ort Sand mit seinem Lachsstudio am Fluss Suldagslågen. Ein Besuch des Lachsstudios war für uns beiden Fliegenfischer natürlich obligatorisch.

Hinweis zum Lachsstudio am Suldagslågen in Sand

Hinweis zum Lachsstudio am Suldagslågen in Sand

Suldagslågen

Suldagslågen

Der Ryfylkeveien folgte dem beeindruckenden Lachsfluss Suldagslågen und führte uns zum großen See Suldalsvatnet, der einem Salzwasserfjord ähnelte.
Gegen 17 Uhr erreichten wir am nördlichen Ende des Sees den kleinen Ort Nesflaten. Hier fanden wir einen hervorragenden, absolut ruhigen Rast- und Übernachtungsplatz direkt am See.

23.6.2014: Reise von Nesflaten nach Mundheim / Salbuvik
Von Nesflaten am Suldalvatnet ging es morgens auf dem Ryfylkeveien weiter durch das schöne Brattlandsdal in Richtung Hara bis zur Stadt Odda. Die Straße dorthin lenkte uns entlang des klaren Sees Røldalsvatnet, durch den langen Røldalstunnel und vorbei am touristisch gut besuchten tosenden Wasserfall Låtefossen.
Der 165 m hohe Låtefossen bot durch seine beiden “Fallarme” einen traumhaften Anblick. Direkt nach dem Wasserfall schießt das Wasser durch eine alte Steinbogenbrücke, auf der die Straße verläuft.
In der Ferne erkannten wir das ewige Eis des Folgefonna-Gletschers und die schneebedeckten Ausläufer des Nationalparks Hardangervidda.

Låtefossen

Låtefossen

24.6.2014: Reise von Mundheim /Salbuvik zur Insel Sotra
Wir entschlossen uns, heute auf der Straße RV 49 entlang des Hissfjorden und des Ytre-Samlafjorden zum Ort Norheimsund und dann weiter nach Bergen zu fahren.
Die kürzere Route nach Bergen auf der Straße RV 48 wollten wir nicht fahren, da wir meinten, dass die Landschaften entlang der Fjorde beeindruckender seien. Und so war es auch!
Uns fielen unterwegs in vielen Fjorden die zunehmenden Netzkäfige mit Zuchtlachsen auf. Wir sehen in dieser Entwicklung eine Ernst zu nehmende Bedrohung für die genetisch reinen Wildlachsbestände und für das gesamte Ökosystem in den Fjorden. Wir können nur hoffen, dass bei den politisch verantwortlichen Gremien in Norwegen schnellstmöglich ein Umdenken stattfinden wird.

Lachskäfige im Fjord

Lachskäfige im Fjord

Hinter Odda nahmen wir eine Nebenstraße, die uns durch den 11,2 km langen Folgefonn-Tunnel nach Løfallstrand führte. Der Reiseweg ging vorbei an tiefen, grünblauen Fjorden und spektakulären Wasserfällen, die schöne Fotomotive boten.


In Løfallstrand am Sildafjord wartete bereits die Fähre nach Gjermundhamn. Dort fuhren wir auf der Straße RV 48 entlang des Øynefjorden bis Mundheim.

Fähre nach Gjermundhamn

Fähre nach Gjermundhamn

Wir parkten auf einem Platz am Hafen und nahmen unser Abendessen ein. Weil auf dem Parkplatz bereits 3 Wohnmobile mit Anglern standen und der Platz nicht besonders schön war, fuhren wir etwas weiter auf eine kleine Halbinsel am Bondesund. Über eine schmale Schotterstraße kamen wir zu einem abgelegenen Kai mit aufgeschichtetem Holz und Platz zum Campen. Zwischen den Holzlagerplätzen am Ende der Mole bestand etwas Freiraum zum Fliegenfischen und tatsächlich waren Fische vor Ort, die vehement auf kleine Streamer und Garnelenfliegen bissen. Zwei Pollacks von 50 und 57 cm wurden für das Mittagessen am nächsten Tag entnommen. Wieder ging ein schöner Tag bei herrlichem Sommerwetter zu Ende.

Zwei schöne Pollacks

Zwei schöne Pollacks

In Norheimsund bogen wir auf die Straße RV 7 (später auch auf die E 16) ab. Unterwegs kamen wir am 50 m hohen wunderschönen Wasserfall Steinsdalfossen vorbei. Ein neu angelegter Weg führte trockenen Fußes hinter den Wasserfall hindurch und faszinierte uns mit einer eindrucksvollen Perspektive, bei der man die pure Gewalt des Wassers spüren konnte.

Steinsdalfossen

Steinsdalfossen

Unsere ursprüngliche Reiseplanung sah vor, in Bergen das Hanseviertel Bryggen zu besuchen. Aber als wir in die Nähe Bergens kamen, spürten wir schon die Hektik und den starken Autoverkehr einer Großstadt und so entschlossen wir uns, auf direktem Wege über den RV 555 auf die oberhalb von Bergen gelegene Insel Sotra zu fahren. Eine Park- und Übernachtungsmöglichkeit fanden wir auf Sotra hinter der Rongøybrücke. Ein gut ausgebauter Schotterweg führte hinunter zum Sund und von den Felsen am Wasser war ein müheloses Fliegenfischen möglich. Die Fische ließen nicht lange auf sich warten und 5 Pollacks fanden meine Fliegen „zum Fressen gern“.

Schärenlandschaft auf der Insel Sotra

Schärenlandschaft auf der Insel Sotra

25.6.2014: Angeltag auf Sotra
Heute besuchten wir den im Norden Sotras gelegenen Ort Hellesøy. In der Nähe des Hafens standen mehrere Hotels, in denen Hochseeangler untergebracht waren. Mit ihren Booten fuhren sie zum Fischen auf den Atlantik und in die nahe liegenden Schären hinaus.

Hellesøy

Hellesøy

Ich angelte etwas an der Hafenmole, fing aber nur kleine Pollacks.
So entschlossen wir uns, die südlicher gelegenen Sunde Sotras zum Fischen aufzusuchen. In der Nähe einer Brücke fanden wir auf einem Felsvorsprung einen geeigneten Angelplatz. Leider herrschte zunächst eine sehr starke Strömung, so dass es trotz der schnell sinkenden Fliegenschnur nicht möglich war, den Streamer tief genug anzubieten. Erst als die Strömung etwas nachließ, erfolgte der erste Biss auf meine schnell heran gestrippte Fischchenfliege. Ein Pollack von über 60 cm Länge lieferte einen fulminanten Drill.

Pollack von über 60 cm Länge

Pollack von über 60 cm Länge

Später am Abend bekam ich oft Biss auf Biss von kleinen Pollacks und Seelachsen. Große Fische waren an der Wasseroberfläche zwar sehr aktiv, ließen sich aber von meinen Fliegen nicht betören.
Im Wasserfilm bemerkte ich viele kleine kreisende Ringe, die an einen Mückenschlupf im See erinnerten. Ob die Fische kleine Nahrungstierchen aus dem Oberflächenfilm nahmen und das der Grund für das Verhalten der Fische war, konnte ich leider nicht feststellen. Die mit Streamern direkt angeworfenen Fische, zeigten jedenfalls kein Interesse an meiner Offerte.


26.6.2014: Angeltag auf Sotra
Auch heute wollten wir erneut in den strömenden Sunden unser Angelglück versuchen.
Als wir das Ufer erreichten, hatte die Tide fast den Höchststand erreicht und das Wasser strömte nur leicht. Gisela fing einen kleinen Pollack und ich zwei kleine Seelachse (Köhler).
Später ging ich noch einmal allein zu einer Erfolg versprechenden Stelle mit einer deutlichen Rückströmung, in der sich Nahrung und Futterfische sammelten.

Angelstelle mit Rückströmung auf Sotra

Angelstelle mit Rückströmung auf Sotra

Direkt beim ersten Wurf bekam ich einen starken Anbiss auf meinen etwa 5 cm langen Streamer. Sofort versuchte der Fisch mit starkem Zug in die Tiefe zu entkommen. Mein Herzschlag raste und die Hände fingen an zu zittern. Ich versuchte den Fisch zu halten, aber trotz der stark eingestellter Rollenbremse nahm der Fisch unaufhaltsam Schnur. Endlich, nach langem hin und her, gelang es mir Schnur auf die Rolle zu bekommen und den Fisch in Richtung Wasseroberfläche zu bringen. Mehrfach sprang der Fisch aus dem Wasser und ich konnte seine dunkle Körperseite erkennen. „Das ist kein Pollack“ erfasste ich „das kann nur ein Seelachs sein!“
Der Fisch unternahm erneut eine rasante Flucht in die Tiefe und zog vehement Schnur von der Fliegenrolle. Nach einigen Minuten eines aufregenden Drills wurden die Fluchten deutlich schwächer und ich konnte kurze Zeit später den Fisch endlich über den bereit gehaltenen Kescher führen. Mein Pulsschlag war immer noch deutlich erhöht. Schnell wurde der Fisch versorgt - mein erster großer Seelachs!
Im Laufe des Tages konnte ich weitere schöne Seelachse fangen, die ebenfalls fulminante, spektakuläre und ausdauernde Drills lieferten. Diese Fights waren nicht mit den zwar heftigen, aber eher kürzeren Fluchten der Pollacks vergleichbar.
Alle Fische nahmen ausschließlich relativ kleine Streamer. Größere Fliegen, die kleinere Heringe oder Sprotten imitierten, wurden ignoriert.

Seelachse (Köhler)

Seelachse (Köhler)

27.6.2014: Reise von der Insel Sotra nach Rutledal
Heute setzten wir unsere Reise durch Südnorwegen fort.
Wir entschlossen uns, auf der E 39 entlang des Osterfjorden bis zum Sognefjorden, dem längsten Fjord der Welt, zu fahren.
Wegen des starken Autoverkehrs auf der E 39 bogen wir auf die Nebenstraße zur Fähre nach Rutledal ab. In der Nähe des Fähranlegers fanden wir an der Straße einen Rastplatz zum Übernachten. Ein holländisches Paar mit VW-Bus stand bereits auf dem Platz und wir unterhielten uns nett über unsere Reiserouten und die Landschaftsfotografie.
Auf der heutigen Fahrt über die Berge und durchs Binnenland regnete es häufiger, aber sobald wir wieder in die Nähe die Küste kamen, schien warm die Sonne.

Beim Fähranleger nach Rutledal

Beim Fähranleger nach Rutledal

28.6.2014: Reise von Rutledal nach Holmedal
Heute hieß es etwas früher aufzustehen, denn pünktlich um 8.40 Uhr ging die Fähre über den Sognefjord von Rutledal nach Rysjedalsvika.

Fähre von Rutledal nach Rysjedalsvika (Sognefjord)

Fähre von Rutledal nach Rysjedalsvika (Sognefjord)

Die Sonne leuchtete mit warmem Licht und ermöglichte gelungene Fotoaufnahmen der Landschaften. Am Fähranleger in Rysjedalvika trafen wir vier nette Leute aus Zwickau, die eine Hütte in einem Anglercamp in Balestrand am nordlichen Ufer des Sognefjorden gemietet hatten und auf dem Fjord vom Motorboot mit Echolot intensiv angelten. Sie erzählten uns, dass sie bisher in den vergangenen zwei Urlaubswochen noch keinen Fisch auf ihre Pilker und Blinker erbeuten konnten und waren deshalb sehr enttäuscht. Angeblich hätten auch andere Angler des Camps nichts fangen können.

Für unsere Weiterfahrt Richtung Norden wählten wir nicht die E 39, sondern eine Route über die ruhig zu befahrende Straße RV 57, die am See Breidvatnet vorbei führte.

Landschaft an der Straße 57

Landschaft an der Straße 57

Ein Abstecher zum kleinen Flekkefjord lohnte sich zum Angeln nicht, so dass wir bis Dale fuhren und von dort die neue Brücke über den Dalsfjorden nahmen. Entlang des Fjordes ging es auf dem RV 609 bis zum schmucken Ort Askvoll und weiter zum Städtchen Holmedal, in der die bekannte Messerfabrik Helle ansässig ist. Auf dem Parkplatz an der Kirche direkt am Fjord fanden wir eine Möglichkeit zum Übernachten.

Askvoll und Holmedal


Von einer Kaimauer versuchte ich mein Fliegenfischerglück; zunächst ohne großen Erfolg. Als es später etwas dunkler wurde, bemerkte ich größere raubende Fische, die von unten immer wieder in einen Schwarm kleiner Fische stießen. Ein schnell in diese Richtung geworfener Streamer verfehlte seine Wirkung nicht und einige Pollacks sorgten für Kurzweil an der Fliegenrute.

Eine in der Nähe lebende Austernfischerkollonie machte sich lautstark bemerkbar und ein Sturmmövenpaar flog mit lautem „giä, gujja“ Scheinangriffe auf mich. Anscheinend hatte ich die Vögel etwas beunruhigt.
Draußen im Fjord spielten mehrere Schweinswale spektakulär an der Wasseroberfläche.


29.6.2014: Reise von Holmedal nach Kjelkenes
Entlang des Eidfjorden fuhren wir auf dem RV 609 gen Norden bis zur Stadt Førde. Am alten Fähranleger (Fähre war wegen eines Brückenneubaus eingestellt worden) machten wir eine kleine Rast.
Auf der Straße RV 5 fuhren wir bis Nausdal am Lachsfluß Nausdalelva vorbei und weiter durch den Nausdaltunnel zum Eikefjorden. Im gleichnamigen Ort pausierten wir am Wasser und bogen danach auf den RV 614 ab. Über das Myklebustfjellet kamen wir zum Gulen-Fjord. An der alten Fähre (Betrieb eingestellt) in Kjelkenes fanden wir ein ruhiges Übernachtungsplätzchen. Am Auslauf eines schmalen Fjordarmes entdeckte ich eine flache, mit Seetang bewachsene Uferstelle zum Fischen. Auf meine CDC-Garnele konnte ich hier zu meiner Überraschung eine etwa 40 cm lange Meerforelle fangen.

Landschaft auf dem Weg nach Kjelkenes

Landschaft auf dem Weg nach Kjelkenes

30.6.2014: Reise von Kjelkenes nach Rugsund
Von Kjelkenes fuhren wir auf dem RV 614 nach Svelgen und bogen später auf den neuen RV 616 ab. Wir kamen am Berg Hornelen vorbei, der mit einer Höhe von 860 Metern Europas höchste Meeresklippe darstellt.

Berg Hornelen

Berg Hornelen

Mittags erreichten wir den kleinen Ort Rugsund. Dort parkten wir unser Wohnmobil auf einem Parkplatz in der Nähe des Sportboothafens kurz vor der Sundbrücke. Hier stand bereits ein Wohnmobil aus Hünxe mit einem älteren Ehepaar. Nach einer freundlichen Kontaktaufnahme erfuhren wir, dass der Name des Mannes „Hennes“ war und er ebenfalls Angler war. Was lag also näher, als gemeinsam zum Fischen zu gehen. Hennes mit Blinker und Pilker und ich mit Fliege.
Während Hennes leider kein Anglerglück hatte, gelang mir der Fang eines 68 cm langen und etwa 5 Pfund schweren Pollacks auf eine Zonkerfliege bei ablaufendem Wasser.

Günni mit schönem Pollack

Günni mit schönem Pollack

1.7.2014: Reise von Rugsund nach Maløy
Von Rugsund unternahmen wir einen Ausflug zur Insel Frøya und besuchten die alte Fischerstadt Kalvåg mit ihren interessanten bunten Holzhäusern.

Fischerstadt Kalvåg auf der Insel Frøya

Fischerstadt Kalvåg auf der Insel Frøya

Vor einer Inselbrücke entdeckte ich eine interessante Angelstelle und konnte hier einen Pollack zum Abendessen "überreden".
Anschließend nahmen wir die Fähre von Oldeide nach Maløy auf die Insel Vågsøy. Die industriell geprägte Hafenstadt Maløy gefiel uns nicht und war keinen Besuch wert.


2.7.2014: Reise von Maløy zur Vogelinsel Runde
Von Maløy aus fuhren wir auf dem RV 15 entlang des Nordfjord und bogen später auf den RV 61 in Richtung Koparnes ab. Von dort brachte uns die Autofähre über den Hallefjorden nach Årvika. Dann benutzten wir die Straße 654, um zunächst zur Insel Herøy und dann zur kleinen Vogelinsel Runde zu gelangen. Auf Runde nisten jedes Jahr von Februar bis August mehr als eine halbe Million Seevögel. Neben einer großen Papageientaucher- und Basstölpelkolonie haben auch die seltenen Stein- und Seeadler hier ihren Lebensraum.
Der Vogelfelsen von Runde hat den artenreichsten Seevogelbestand Norwegens.

Vogelinsel Runde

Vogelinsel Runde

In der Nähe der Sundbrücke nach Runde fanden wir einen Übernachtungs- und Angelplatz. Beim Fliegenfischen im Sundbereich ging außer einem kleinen Pollack jedoch kein Fisch an die Fliege. Das Fischen war hier sehr schwierig, weil wogende Kelpfelder im nahen Uferbereich dauernd für Hänger sorgten und Strömungen und starker Wellenschlag ein Übriges taten. Am Abend versuchte ich dort noch einmal mein Angelglück und fing trotz der widrigen Bedingungen einen schön gezeichneten Pollack.

Schön gezeichneter Pollack

Schön gezeichneter Pollack

3.7.2014: Reise von Runde nach Skodje
Am Morgen unternahmen wir eine Wanderung zum Vogelfelsen der Insel Runde. Der Fußweg zur Vogelklippe war unheimlich steil und oben auf dem Grad wehte ein orkanartiger Wind. Die Mühen des Aufstiegs lohnten sich aber, denn wir konnten mit dem Fernglas Papageientaucher und sogar Steinadler beobachten.

Vogelfelsen auf Runde

Vogelfelsen auf Runde

Da es zu regnen begann, traten wir den halbstündigen Abstieg an und setzten unsere Reise mit unserem Wohnmobil zur Fähre nach Hareid fort. Nach einer 20-minütigen Überfahrt über den Sulafjorden erreichten wir Sulasundet und fuhren weiter über die Straßen 60, 61 und 656 nach Skodje, wo wir übernachteten.


4.7.2014: Reise von Skodje zur Atlantikstraße und Insel Averøy
Heute nahmen wir die schnellste Wegstrecke, nämlich über die E 39, zur Fähre nach Furneset. Über den Romdalsfjorden brachte uns das Fährschiff nach Molde.
Ohne Umweg fuhren wir auf dem RV 64 und RV 663 weiter zur Atlantikstraße (Atlanterhavsvegen) nach Vewang. Die etwa 8 km lange Atlantikstraße ist eine Touristenstraße mit insgesamt acht bemerkenswerten Brückenbauwerken, die mehrere kleine Inseln verbinden. Wegen der herrschenden Gezeitenströmungen finden Angler hier gute Bedingungen vor.
Auf einer der Inseln mit steil abfallendem Ufer bot ich meinen Streamer an der 8er Fliegenrute und schnell sinkender Schnur an. Prompt erwischte ich bei idealem Tidenstand fünf gute Pollacks und eine Makrele.

Reiche Beute

Reiche Beute

Am Nachmittag fuhren wir zur schönen Insel Averøy ins Fischerdörfchen Langøya, wo ich beim Fliegenfischen von einer Klippe bei ablaufendem Wasser noch zwei weitere Pollacks fangen konnte. Ein großer Fisch war nicht zu halten. Er ging mit enormer Kraft in die Tiefe des Atlantiks und setzte sich in einem Kelpfeld fest. Der Fisch und mein „Lieblingsstreamer“, eine Heringsimitation, gingen dabei leider verloren.

Averøy

Averøy

5.7.2014: Angeltag auf Averøy
Heute blieben wir im Örtchen Langøya und ich angelte in den Schären von der Spitze eines Felsens. Ein 53 cm langer Pollack und eine Makrele wurden meine Beute.


6.7.2014: Angeltag auf Averøy
Meine Angelversuche in der Nähe einer Brücke brachten nur einen kleinen Dorsch und einen kleinen Pollack an die Fliege. Es regnete immer wieder und es wurde spürbar kälter. Im Laufe des Tages, bei etwas besseren Wetterbedingungen, konnte ich dann vier gute Pollacks erwischen.


7.7.2014: Reise von Averøy nach Åndalsnes
Bevor wir weiter reisten, unternahmen wir in der Nähe der Atlantikstraße beim Ort Farstad noch einen Spaziergang und entdeckten dabei einen wunderschönen Badestrand mit feinem Sand, der zum Baden einlud.

Sandstrand bei Farstad

Sandstrand bei Farstad

Die folgende Reiseroute bestritten wir auf dem RV 64, nahmen die Fähre über den Langfjorden von Sølsneset nach Åfarnes und fuhren weiter bis Åndalsnes, dem Ziel unserer heutigen Etappe.


8.7.2014: Reise von Åndalsnes zum See Djunvatnet
Am Morgen legte am Kai in Åndalsnes das deutsche Kreuzfahrtschiff AIDA-Luna mit etwa 2000 Passagieren an. Manche Reiseteilnehmer gingen im Ort spazieren, andere nahmen an einer organisierten Radtour teil und die meisten Fahrgäste unternahmen einen Ausflug mit dem Reisebus zur bekannten Passstraße „Trollstigen“ .

AIDA-Luna im Hafen von Åndalsnes

AIDA-Luna im Hafen von Åndalsnes

Da das Wetter nach einer regnerischen Nacht am Morgen wieder recht schön war, wählten wir unsere Reiseroute über die Straßenkehren und Windungen des Trollstigen (RV 63).
Der Trollstigen ist die bekannteste Serpentinenstraße Norwegens. In 11 Haarnadelkurven überwindet sie auf der knapp 5 km langen und engen Straße gut 400 Höhenmeter. Oben auf dem Gipfel des Bergrückens befindet sich eine imposante Aussichtsplattform.
Bei unserer Ankunft auf der Höhe versperrten leider tief liegende Wolken den Blick ins Tal und auf die Schleifen des Trollstigen. Also hieß es geduldig zu warten und auf bessere Wetterbedingungen zu hoffen. Glücklicherweise verzog sich nach etwa einer halben Stunde Wartezeit der Nebel kurzzeitig und so konnten wir schöne
Einblicke ins Tal nehmen und gelungene Fotoaufnahmen machen.

Trollstigen Aussichtsplattform

Trollstigen Aussichtsplattform

Nach dem Fotoshooting ging unsere Reise auf dem RV 63 weiter durch das Valldal entlang des wilden Flusses Valldøla, der auf etwa 10 km Lachsführend ist.
Das Valldal am Norddalsfjord ist das nördlichste kommerzielle Obstanbaugebiet Europas und bekannt für seine wohlschmeckenden Früchte. Hier wachsen Morellen, Himbeeren und sogar Aprikosen und Weintrauben. Besonders bekannt ist Valldal wegen seiner köstlichen Erdbeeren, die wir an einem Verkaufsstand am Gudbrandjuvet genießen konnten.
Gudbrandsjuvet ist eine 5 Meter breite und 20-25 Meter tiefe Schlucht, die der Fluss Valldøla gegraben hat. Auf abgesicherten Wegen und von einer Fußgängerbrücke aus konnten wir die Schlucht besichtigen. Das wilde Wasser des Flusses formte hier ein System aus tiefen Gletschermühlen und bizarren Steinformationen.

Gudbrandsjuvet

Gudbrandsjuvet

Unterwegs boten sich faszinierende Blicke auf die ursprüngliche Bergwelt des Reinheimen-Nationalparks.
In der unberührten Wildnis des Reinheimen mit seiner einmaligen biologischen Vielfalt finden große freilebende Rentierherden gute Lebensbedingungen. Auch der Vielfrass, der Steinadler und das Schneehuhn fühlen sich hier wohl.

Reinheimen Nationalpark

Reinheimen Nationalpark

Mit der Fähre von Linge nach Eidsdal überquerten wir den Norddalsfjorden.
Weiter ging unsere Reise über die Adlerstraße (Ørnevegen), die mit ihren 11 Serpentinen den steilsten Abschnitts der Strasse 63 von Eidsdal nach Geiranger bildet.
Unterwegs konnten wir einen ersten Blick auf den Geirangerfjord, auf dem zwei Kreuzfahrtschiffe vor Anker lagen, nehmen.
Der Geirangerfjord ist der berühmteste und einer der schönsten Fjorde Norwegens. Er ist insgesamt 16 km lang, fast 100 km vom offenen Meer entfernt und eingebettet in bis zu 1200 m hohe Felswände mit verschneiten Berggipfeln.

Blick auf den Geirangerfjord

Blick auf den Geirangerfjord

Vom schön gestalteten Aussichtpunkt „Adlerkurve“ (Ørnesvingen) bot sich uns die Gelegenheit, die atemberaubende Aussicht über Geiranger und den Geirangerfjord mit den Wasserfällen „Dei sju Systrer“ (Die sieben Schwestern) zu genießen und der Fahrt der Kreuzfahrtschiffe unten auf dem Fjord zu folgen.

Blick vom Ørnesvingen

Blick vom Ørnesvingen

Wir passierten den lebhaften Ort Geiranger, fuhren bergauf über steile Serpentinen und erreichten im Verlauf der Straße 63 einen weiteren bekannten Aussichtspunkt, das Flydalsjuvet.
Von hier sind viele spektakuläre Fotos für Postkarten und Reiseführer aufgenommen worden.

Blick vom Flydalsjuvet auf Geiranger und den Fjord

Blick vom Flydalsjuvet auf Geiranger und den Fjord

Weiter ging unsere Reise ins Hochgebirge auf über 1000 m über dem Meeresspiegel.
Zum bekannten 1500 m hohen Dalsnibba-Fjordaussichtspunkt, der einen tiefen Einblick auf den Geirangerfjord bieten soll, fuhren wir nicht mehr und übernachteten am See Djunvatnet. Vom Parkplatz hatten wir wunderschöne Ausblicke auf die umliegenden Gletscher und Berggipfel.
Wir hörten im norwegischen Rundfunk das Halbfinalspiel der Fußballweltmeisterschaft Deutschland gegen Brasilien (7:1). Auf einem anderen Parkplatz in etwa 150 m Entfernung standen zwei Wohnmobile aus Deutschland, die einen Fernseher an Bord hatten und uns bei jedem Tor unserer Nationalmannschaft „Flaggensignale“ durchs offene Fenster gaben!

Djunvatnet

Djunvatnet

9.7.2014: Reise vom See Djunvatnet zu den Ausläufern des Jotunheimen-Nationalparks
Bei sommerlichen Temperaturen von 28 Grad fuhren wir zügig auf der Straße 15 weiter bis Lom und sahen uns dort die schöne Stabkirche an.

Stabkirche von Lom

Stabkirche von Lom

Die Weiterreise ging entlang des rauschenden, mächtigen Flusses Otta, der durch Gletscherschmelzwasser eine leuchtende smaragdgrüne Farbe zeigte.

Fluss Otta

Fluss Otta

Wir nahmen die Straße RV 51 entlang des Flusses Sjoa und fuhren durch das Sjodalen hoch in die Berge mit schönen Fernblicken auf die schneebedeckten Gipfel des Jotunheimen-Nationalparks. Auf einer Hochebene fanden wir einen Rastplatz zum Übernachten.

Hochebene mit Blick zum Jotunheimen Nationalpark

Hochebene mit Blick zum Jotunheimen Nationalpark

10.7.2014: Reise von den Ausläufern des Jotunheimen nach Rødberg
Am frühen Morgen wurden wir durch das dumpfe Rufen einer Herde Rentiere geweckt, die auf ihrem Weg ins Hochgebirge direkt an unserem Parkplatz vorbeizog.
Die Tiere wanderten zu den kühlenden Schneefeldern, um vor Stechfliegen, Mücken und den herrschenden hohen Lufttemperaturen geschützt zu sein.

Rentiere auf der Hochebene

Rentiere auf der Hochebene

Auf dem Parkplatz lernten wir ein Paar aus Friedberg bei Frankfurt kennen, das mit einem VW-Campingbus unterwegs war. Sie erzählten uns begeistert, dass sie am gestrigen Tage den wunderschönen Wanderweg Bessegen, der auch „Peer-Gynt Weg“ genannt wird, gegangen sind.
Der Besseggen ist die bekannteste Bergwanderung Norwegens. Der Grat des Weges bietet neben einer unglaublichen Aussicht auf die Gebirge des Jotunheimen den Blick auf zwei Bergseen, die nur wenige Meter auseinander liegen, aber dennoch 400 Höhenmeter von einander entfernt sind.

Die Weiterfahrt auf dem RV 51 in Richtung des bekannten Skiortes Beitostølen führte uns über die zweithöchste Passstraße Norwegens, nämlich die 37 km lange norwegische Landschaftsroute Valdresflye mit der großen Hochebene Valdresflye-Plateau. Vor dort waren großartige Weitblicke in das Jotunheimen möglich.

Landschaftsroute Valdresflye

Landschaftsroute Valdresflye

Wir blieben auf dem RV 51 (Fahrt über Bygdin, Fagernes, Gol) und fuhren bis Nesbyen. Es herrschten hochsommerliche Temperaturen von über 30 Grad Celsius. In Nesbyen bogen wir in eine Nebenstraße ab, die uns bis Rødberg führte.
In Rødberg hatten wir Glück und fanden an der Feuerwehrstation und Sportanlage einen ruhigen Stellplatz mit Entsorgung und WC direkt am See. Das Angeln im See war kostenlos und so fischten wir mit Nass- und Trockenfliegen bis spät in den Abend. Gisela erwischte die erste Bachforelle, die etwa 28 cm lang und sehr dunkel gefärbt war.

Gisela mit Bachforelle

Gisela mit Bachforelle

11.7.2014: Reise von Rødberg nach Ulefoss
Weiter führte uns die Reise auf dem RV 40 durch das Numedalen entlang des Flusses Lågen bis Kongsberg. Dort bogen wir auf die E 134 nach Notodden ab. Auf dem RV 360 fuhren wir weiter bis Gvarv und über den RV 36 bis Ulefoss. Hier übernachteten wir auf einem Parkplatz im Ort. Es war weiterhin sehr heiß.


12.7.2014: Reise von Ulefoss nach Langesund
Bei dem heißen Wetter blieben wir zunächst noch in Ulefoss an einem See mit Badeplatz. Erst am Nachmittag fuhren wir weiter und benutzen hierzu die Straßen RV 36 und RV 353.
Abends erreichten wir Langesund, dem Ausgangs- und Endpunkt unserer Reise. Ich angelte noch etwas mit Garnelenfliegen an einer Mole im Langesundfjorden. Die Beute waren zwei weibliche, orange gefärbte Kuckuckslippfische, ein kleiner Franzosendorsch und eine Flunder.


13.7.2014: Angeln in Langesund
Den Tag verbrachten wir auf dem großen Parkplatz des Freizeitparks am Meer in Langesund. Von einem Felsen in der Nähe wurde noch etwas geangelt.


14.7.2014: Abfahrt mit der Fähre in Langesund
Die Fähre nach Hirtshals ging um 15.oo Uhr und bedeutete das Ende einer wunderschönen Reise durch Norwegens beeindruckende, vielfältige und wunderschöne Naturlandschaft.


Hier können Sie Fotos der Norwegentour in einer Bildergalerie ansehen.